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Von der nachhaltenden Nutzung - Ein fiktives Interview mit Hans Carl von Carlowitz

In einem fiktiven Interview mit dem von Markus Bölling gespielten Carlowitz erfahren Sie mehr über die Kernaussagen der Sylvicultura oeconomica und die Leitidee
der Nachhaltigkeit. In dem Gespräch mit Dr. Joachim Hamberger werden das Denken und die Persönlichkeit Carlowitz’ lebendig.

Hamberger: Herr von Carlowitz, Sie gelten als der Schöpfer des Begriffes  »Nachhaltigkeit« und haben den Grundstein gelegt für die forstwissenschaftlich fundierte Waldbewirtschaftung. Wie kamen Sie darauf?

Carlowitz: Wie Sie ja wissen, komme ich aus Sachsen, einer sehr waldreichen Region in Deutschland und eines der bedeutendsten europäischen Montanreviere im 18. Jahrhundert. Als Sohn eines Landjägermeisters und Spross einer Adelsdynastie, die schon seit Generationen dem Jagd- und Forstwesen unterstand, hatte ich immer schon ein sehr enges Verhältnis zur Natur und zum Wald. Als ich in meiner   Verantwortung als Oberberghauptmann dann bemerkte, wie durch den Bergbau immer mehr Holz geschlagen wurde und die Wälder ausdünnten, musste ich etwas unternehmen. Denn wohin es führen kann, wenn man die Wälder einfach so abholzt,  ohne sie wieder aufzuforsten, hatte ich ein paar Jahre zuvor schon auf einer Studienreise durch Europa gesehen. Ich entschied mich, ein Buch zu schreiben, das darlegen sollte, dass alles Wirtschaften dem Gemeinwohl zu dienen hat und wir mit Blick auf die Enkel und Urenkel verpfl ichtet sind, sorgsam mit den Ressourcen umzugehen. Eine einfache Botschaft, um die Menschen zu einem rücksichtvollen und vorausschauenden Umgang mit der Natur zu erziehen. Als Vater von drei Töchtern kann ich Ihnen aber sagen, dass das mit der Erziehung nicht immer so einfach ist. Viele Politiker und Manager haben das Prinzip bis heute noch nicht verinnerlicht …

Hamberger: Ihre Nachhaltigkeit ist ja heute populärer denn je. Stört es Sie manchmal, dass der Begriff auch fern seiner Wiege so häufig gebraucht wird?

Carlowitz: Nein, wenn der Gehalt des Begriffes richtig weitergetragen wird, ist alles bestens. Dann bin ich sogar sehr stolz darauf, dass das Prinzip seinen Weg  aus der Forstwirtschaft hinein in alle andere Wirtschaftsbereiche gefunden hat. Natürlich gibt es auch immer ein paar schwarze Schafe, die das Wort »nachhaltig« benutzen, ohne so zu handeln, einfach nur, um sich in meinem Licht zu sonnen. Das finde ich nicht gut. Die Leute müssen darauf vertrauen können, dass Nachhaltigkeit ernst gemeint ist und nichts mit Schönfärberei zu tun hat. Also, wer »Nachhaltigkeit« im Munde führt, muss sich auch auf Nachfragen einstellen. Und dann wird sich schnell die Spreu vom Weizen trennen.