Grußwort des Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt

Foto: Thomas Lother

Liebe Leserinnen und Leser,

unser Wald kann viel. Er dient uns zur Erholung, er ist Garant unseres Klimas, er produziert den nachwachsenden Rohstoff Holz, und er ist Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Viele Bürgerinnen und Bürger empfinden eine tiefe emotionale Verbundenheit mit dem Wald. Nur einigen hingegen ist bewusst, dass der Erhalt unserer Wälder und ihrer Leistungen dem Jahrhunderte währenden Engagement vorausschauender Forstleute und Waldbesitzer für eine nachhaltige Bewirtschaftung zu verdanken sind.

1713 war es der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, der die Idee der Nachhaltigkeit etablierte. Damals stand es um den deutschen Wald schlecht. Holz war Energiequelle und Rohstoff Nummer eins. Erzgruben und Schmelzhütten gingen ihm an die Substanz. Die wachsende Bevölkerung brauchte Holz in ganz neuen Dimensionen. Also musste umgesteuert werden, um Schutz und Nutzung des Waldes in Einklang zu bringen. So wurde der Grundsatz formuliert: Es darf nur das geerntet werden, was auch nachwächst. Neben dem christlichen Gedanken zur Wahrung der Schöpfung war das die erste uns bekannte Definition von Nachhaltigkeit. In der deutschen Forstwirtschaft hat sich dieser Grundsatz fest etabliert. Ihm und dem vorwärtsgewandten Denken von Carlowitz und seinen Erben haben wir es zu verdanken, dass wir unseren deutschen Wald auch heute noch genießen und nutzen können.

Es sollte lange dauern, bis der Nachhaltigkeitsbegriff über die Grenzen der Forstwirtschaft hinaus bekannt wurde, dann aber mit Macht: Als »Sustainability« machte er 1972 Furore: Der Club of Rome hatte damals in einem Bericht die Grenzen des Wachstums thematisiert. Er mahnte eine Entwicklung an, die die Interessen heutiger und kommender Generationen an begrenzten Ressourcen und die Belastbarkeit unserer Ökosysteme berücksichtigen sollte. Heute ist »nachhaltiges Wirtschaften« in aller Munde. Der Einsatz für Nachhaltigkeit ist wesentlicher Teil
unserer Verantwortung – in wirtschaftlicher, in sozialer und in ökologischer Hinsicht. Da, wo wir langfristig über wirtschaftlichen Erfolg Arbeitsplätze und Wohlstand sichern können, wo wir zugleich die Interessen nachkommender Generationen mitbedenken und wo wir die Schätze der Natur erhalten, wird Nachhaltigkeit erreicht.

Die Forstwirtschaft hat vor 300 Jahren den Anstoß gegeben, und auch heute noch bleibt sie einer der Schrittmacher für die Entwicklung nachhaltiger Wirtschaftsweisen. Mit fachlicher Kompetenz, basierend auf anspruchsvollen Konzepten sowie unter Einsatz modernster Technologien wird die Tradition der Nachhaltigkeit gelebt und fortentwickelt.

Dafür gilt mein herzlicher Dank allen, die an der nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Wälder mitwirken!

Christian Schmidt MdB
Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft