Forstwirtschaft im Klimawandel

Nadelwald im Harz. Foto: C. Blohm

Die langen Wachstumsphasen der Bäume bedingen lange Reaktionszeiten auf jegliche Veränderungen. Mit dem Klimawandel, wie er seit einigen Jahren beobachtet wird, ändern sich die Rahmenbedingungen für die Forstwirtschaft radikal. Die Standortbedingungen für die Waldbäume und damit für alle im Wald lebenden Arten sind nicht mehr die gleichen. Das Ökosystem Wald muss sich diesen Schwankungen anpassen. Auf ohnehin schon schwach mit Nährstoffen und Wasser ausgestatteten Standorten oder solchen mit vegetationsrelevanten Temperaturen im Grenzbereich greift der Klimawandel stärker als auf Standorten, die Veränderungen besser abpuffern können. Auf Extremstandorten kann dies zum Ausfall ganzer Wälder führen, weil die dort wachsenden Bäume mit langen Trockenperioden oder einfach auch einer Verschiebung der Niederschläge außerhalb der Vegetationszeit nicht Schritt halten können. Insekten und Pilze treten nicht mehr nur als Schwächeparasiten auf, sondern neigen zur Massenvermehrung. Invasive Arten kommen hinzu. In der Regel profitieren die forstlich relevanten Insekten und Pilze besonders vom früheren Vegetationsbeginn, den wärmeren und trockeneren Sommern und der Zunahme von Störungen. Tritt eine solche Störung in vehementer Form auf, wie beispielsweise der Orkan Kyrill am 18. Januar 2007, bildet dieses Ereignis den Startschuss für eine während der folgenden Jahre zu beobachtenden Auflösung ganzer Waldbestände, insbesondere in großflächigen Fichtenbeständen. Das Gefüge ist gestört, die Sommertrocknis schwächt den Flachwurzler Fichte durch mangelhafte Wasserversorgung, Schadorganismen wie der Borkenkäfer profitieren von der Wärme und haben mit den geschwächten Fichten leichtes Spiel. Je nach Standort und örtlicher Situation können auch andere Baumarten wie beispielsweise die vielerorts dominante Buche von solchen Prozessen betroffen sein und an Vitalität einbüßen.

Ein anderes Beispiel ist der großflächige Befall ohnehin ertragsarmer Kiefernbestände mit forstlichen Schadorganismen in der Altmark, Sachsen-Anhalt: Die schwachen und langsam wüchsigen Kiefern auf den kargen Sanden dort wurden durch die trockenen Sommer der letzten Jahre in ihrer Widerstandskraft geschwächt. Die an den Kiefern lebenden Insekten Kiefernbuschhornblattwespe, Nonne, Kiefernspinner und Forleule fühlen sich durch das trockene und warme Wetter sehr wohl und vermehren sich rasant. Die Folge: Der Wald stirbt großflächig ab, in der Altmark auf immerhin mehr als 100 Hektar, 4.000 Hektar gelten als gefährdet.

Forstwirtschaft muss reagieren und investieren

Auf Herausforderungen wie starke Stürme, nachfolgende Auflösungserscheinungen durch Trockenheit und dadurch auftretende Schädlingskalamitäten hat sich die Forstwirtschaft einzustellen. Abgesehen von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, die Produktivität der betroffenen Waldflächen zu erhalten, ist sie zur nachhaltigen Erbringung aller Leistungen des Waldes gesetzlich verpflichtet. Die Investition ist daher zwingend. Die kahlen Flächen müssen wieder aufgeforstet werden, in der Hoffnung durch Boden verbessernde Maßnahmen die jungen Bäume widerstandsfähig zu machen und stabilere Wälder aufzubauen.

Idealerweise sieht die Forstwirtschaft kritische Entwicklungen voraus und versucht, ihnen schon im Vorfeld entgegenzuwirken. Die Bedingungen sind zum Glück auf den meisten Waldstandorten in Deutschland nicht so extrem wie in der Altmark. Doch kann es überall über die Jahre zu Verschiebungen im Baumartengefüge aufgrund der sich verändernden Klimabedingungen kommen. Man muss bereits heute wissen, welche Baumarten bei zu erwartenden Klimaveränderungen auf den jeweiligen Standorten überhaupt gedeihen und natürlich auch abschätzen können, mit welchen Baumarten sich später auskömmliche Erträge aus dem Holzverkauf erwirtschaften lassen. Dazu führen die forstlichen Versuchsanstalten in Deutschland bereits seit mehreren Jahren umfangreiche Untersuchungen durch – ebenfalls eine Investition in die nachhaltige Zukunftsfähigkeit der Wälder und ihre Leistungen.

Im Kern geht es bei den Untersuchungen darum, die zu erwartenden Klimaveränderungen möglichst genau vorherzusagen und die Areale für die dann geeigneten Baumarten möglichst regional einzugrenzen. In für die Zukunft angelegten Karten werden Klimadaten und -szenarien, Bodenkarten und Geländemodelle zusammengeführt.

Windwurf im Sauerland. Foto: M. Hölzel

Waldbauliche Anpassungsstrategien an den Klimawandel

In vielen Bereichen gilt die Fichte vor diesem Hintergrund als „Verlierer“, da sie trockene Sommer schlecht verträgt. Verschieben sich die Niederschläge zusätzlich immer weiter außerhalb der Vegetationszeit, kann ein Großteil des vorhandenen Wassers von den Bäumen nicht genutzt werden, die nutzbare Wasserkapazität sinkt, das Problem verschärft sich. Die Buche mit ihrer relativ hohen Amplitude, was Schattenverträglichkeit, Wasser- und Nährstoffversorgung betrifft, ist hier zunächst grundsätzlich besser aufgestellt. Doch auch sie kann je nach Erwärmung, Entwicklung des Wasser- und Nährstoffhaushalts und der Vegetationsperiode in ihrer Verbreitung und Wuchsleistung zurückgehen. Sofern die Klimaerwärmung gar mehr als 2°C beträgt, wird auch die Buche spürbar unter der Klimaerwärmung zu leiden haben. Auf einigen Standorten können ihr kurzfristige Temperaturschwankungen mit Spätfrösten extrem schaden.

Waldklimafonds stützt Klimaschutzfunktionen des Waldes

Der Deutsche Bundestag hat für 2013 den Start eines Waldklimafonds beschlossen. Ausgestattet ist er zunächst mit insgesamt 34 Millionen Euro für die nächsten Jahre. Der Waldklimafonds ist als Investition vor dem Hintergrund zu sehen, dass Wald- und Forstwirtschaft durch die Speicherung von Kohlenstoff im Wald und in langlebigen Holzprodukten sowie durch die Vermeidung von Emissionen durch die energetische und stoffliche Verwendung von Holz einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Klimas leisten. Sie entlasten die Atmosphäre derzeit jährlich um über 120 Millionen Tonnen CO2. Der Waldklimafonds soll diese positive Klimabilanz unter Beachtung der Nutz-, Schutz und Erholungsfunktionen sichern und weiter ausbauen.

Klar ist somit: Klimaschutz kostet Geld. Die einschlägige Forschung ist mit vielen Millionen Euro zu finanzieren, um bei einem solch umfangreichen und schwer einzugrenzenden Thema belastbare Ergebnisse vorzuweisen.

Investitionen vor Ort notwendig

Doch gilt dies nicht nur für die Forschung. Die Förster und Waldbauern vor Ort können nicht warten, bis alle Forschungsergebnisse vorliegen. Die Forstwirtschaft muss bereits jetzt vorbauen und klimabedingten Waldumbau betreiben. Die Mehrkosten für die Begründung und Pflege klimatoleranter und risikoreduzierter Mischwälder sind eine Investition in die Zukunft. Die Schädlingsvorsorge mit einem intensiven Monitoring führen ebenso wie Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen (z. B. Bodenschutzkalkung) zu einem erhöhten Finanzbedarf.

Großflächig findet bereits ein Waldumbau statt, der zum Ziel hat, die Wälder stabiler zu gestalten und auch kurzfristigen Klimaschwankungen zu trotzen. Eine Maßnahme ist hier die Erhöhung der Einzelbaumvielfalt, allerdings vor dem Hintergrund der nachhaltigen Versorgung mit Holz unter der Prämisse, die Flächenproduktivität zu erhalten. Nach dem Motto „Wer streut, rutscht nicht“ setzt man auf kleinflächige Baumartenmischungen und auf einen heterogenen Altersaufbau der Waldbestände, um Ausfälle direkt kompensieren zu können. Das erfordert Know-how, Geld und Zeit. Es wir investiert, und das in großem Stil. Während der letzten 40 Jahre hat allein die absolute Waldfläche in Deutschland um eine Million Hektar zugenommen. Umzubauende Nadelholzreinbestände werden allein in Bayern mit 260.000 Hektar beziffert. Die finanzielle Förderung für solche Maßnahmen betrug dort zwischen 1987 und 2006 223 Millionen Euro. Mit dieser Summe wurden über 60.000 Hektar Laub- und Mischwälder aus ehemals anfälligen Reinbeständen geschaffen. Legt man diese Zahlen auf die gesamte Bundesrepublik um, beträgt die Investitionssumme in den Waldumbau während der vergangenen 30 Jahre leicht mehrere Milliarden Euro.

Linktipp:
Das "Deutsche Klimavorsorgeportal“ informiert über Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel: www.klivoportal.de