Wälder gegen Klimawandel wappnen: Erster Brandenburger „Talk im Wald“

Der Klimawandel hinterlässt tiefe Spuren in den deutschen Wäldern: Hitze und Trockenheit belasten sie erheblich. Besonders die extrem trockenen und heißen Sommer in den Jahren 2018 bis 2020 wirken noch immer nach – nur jeder fünfte Baum in Deutschland gilt als gesund, wie die aktuelle Veröffentlichung der Waldzustandserhebung des Bundes zeigt. Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Brandenburger Umweltministerium heute (27. Mai) erstmals den „Talk im Wald“ im Wildpark Potsdam. In dem neuen Gesprächsformat diskutierten rund 50 Akteure aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Interessensgruppen der Wald und Forstwirtschaft über die Zukunft der brandenburgischen Wälder. Zum Abschluss pflanzte Umweltministerin Hanka Mittelstädt gemeinsam mit der amtierenden Deutschen Baumkönigin Levke Riedel eine Zitterpappel, der „Baum des Jahres 2026“.

Umweltministerin Hanka Mittelstädt: „Die brandenburgischen Wälder stehen durch Klimawandel, Extremwetter und Schädlinge unter erheblichem Stress, was sich in stark geschädigten Kronen und einem unzureichenden Nachwuchs an Jungbäumen zeigt. Strukturschwache Wälder, wie Kiefern-Monokulturen in Brandenburg, sind besonders anfällig für Schädlinge, Stürme und Brände. Nur vitale, artenreiche und klimaangepasste Wälder sichern langfristig ihre ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Funktionen. Deshalb ist ein großflächiger Waldumbau notwendig. Das können wir nur gemeinsam schaffen. Aus diesem Grund habe ich zu diesem neuen Dialog-Format eingeladen, dass wir in den kommenden Jahren fortführen werden. Mit dieser Veranstaltung bringen wir Theorie und Praxis zusammen, um gemeinsam Lösungen für eine zukunftsfähige Waldentwicklung zu diskutieren. Unser Waldzustandsbericht 2025 liefert die wissenschaftliche Grundlage, um Entscheidungen über Klimaschutz, Bewirtschaftung und Schutzmaßnahmen fundiert zu treffen.“
 

Im Mittelpunkt des heutigen Fachgesprächs standen Wald und Waldumbau – von Klimawandelanpassung, Resilienz und Verjüngungslücken über Waldbrandgeschehen und nachhaltige Holzernte bis hin zum Umgang mit Kalamitäten wie Sturm- und Großbrandschäden. Zudem wurde die steigende Bedeutung des Waldes als Erholungsraum für die Menschen thematisiert.
 

Bei einem gemeinsamen Waldspaziergang haben die Fachleute vom Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) und vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) den Teilnehmenden die „Waldvision 2050 für den Landeswald“ vorgestellt. Ziel der Waldvision 2050 ist es, für den jeweiligen Standort geeignete, naturnahe, klimaplastische, produktive Wälder zu erhalten und zu entwickeln sowie diese ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig zu bewirtschaften.
 

Die „Waldvision 2050“, die im Jahr 2023 vorgestellt wurde, definiert sechs konkrete Grundsätze für den klimaresistenten Waldumbau und die nachhaltige Bewirtschaftung des Landeswaldes. Dazu zählen Stabilität und Elastizität der Wälder, Klimaschutzfunktion, Vorbildfunktion des Landeswaldes, Wirtschaftlichkeit und nachhaltige und ertragsorientierte Holznutzung im Einklang mit den ökologischen Anforderungen, Biologische Vielfalt und Naturschutz sowie Erholung und Gesundheit.
 

Der aktuelle „Waldzustandsbericht 2025 des Landes Brandenburg“ zeigt: Nach der bereits deutlichen Verschlechterung des Waldzustandes im Jahr 2024 kam es 2025 zu einem weiteren Anstieg der Waldfläche mit deutlichen Schäden. Die durchschnittliche Kronenverlichtung stieg auf einen neuen historischen Höchstwert. Der Schadflächenanteil in Gesamtwald beträgt nunmehr 39 Prozent, während der Waldflächenanteil ohne sichtbare Schäden auf acht Prozent fiel. Die mittlere Kronenverlichtung über alle Baumarten und Altersklassen stieg auf knapp 28 Prozent. Ein positiver Aspekt ist, dass die jährliche Sterberate der Bäume sowie der Anteil starker Schäden im Jahr 2025 leicht abgenommen haben.
 

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielschichtig: Zum einen wirken die Vorschädigungen aus den ausgeprägten Trockenjahren 2018, 2019, 2020 und 2022 nach. Zum anderen war das Jahr 2025 selbst durch spezifische Witterungsextreme geprägt: Im Frühjahr setzte eine ausgeprägte Trockenheit den Bäumen stark zu. Die Niederschläge im Juli kamen insbesondere für die Kiefer zu spät, um noch einen positiven Einfluss auf die Benadelung auszuüben. Zudem führten erneute Spätfrostereignisse Ende April und im Mai bei Eiche und Buche zu Schäden an den frisch ausgetriebenen Blättern, was den Kronenzustand zusätzlich verschlechterte. Da die Sommerniederschläge das Defizit des Frühjahrs nicht ausgleichen konnten, ist auch das Jahr 2025 aufgrund einer negativen Wasserbilanz per Ende August als Trockenjahr einzustufen.
 

Auch das Waldschutzmonitoring zeigt die Folgen der mit dem Klimawandel verbundenen extremen Witterungsereignisse. Diese äußern sich bei den Hauptbaumarten zunehmend in komplexen Schadsituationen. Mehrere der für Brandenburg typischen Bestandesschädlinge von Kiefer, Trauben und Stiel-Eiche verursachten 2025 regional auffällige Schäden. So kam es auf einer Gesamtfläche von fast 200 Hektar zu starkem Fraß bis hin zu Kahlfraß durch Raupen des Eichenprozessionsspinners. Nonne, Kiefernspinner und Forleule verursachten in Kiefernwäldern im Süden Brandenburgs flächige Fraßschäden, die aber in keinem Fall bestandsbedrohend waren. Vor allem aufgrund der feuchteren Sommermonate war 2025 ein vergleichsweise ruhiges Waldbrandjahr mit 317 Waldbränden und einer Waldbrandfläche von insgesamt circa 252 Hektar. In diesem Jahr gab es im Land Brandenburg bereits 71 Waldbrände mit circa 164 Hektar Schadensfläche.
 

90 neue Löschwasserbrunnen: Im Rahmen des Projektes „Errichtung von Löschwasserentnahmestellen im Privatwald“ konnten im Land Brandenburg die letzten Maßnahmen zum Spätsommer 2025 abgeschlossen werden. Im Projektzeitraum von zwei Jahren wurden insgesamt 90 Tief- bzw. Flachspiegelbrunnen neu gebohrt, um die Löschwasserversorgung in waldbrandgefährdeten Gebieten langfristig zu verbessern und die Einsatzfähigkeit der örtlichen Feuerwehren im Ernstfall zu sichern. Der Schwerpunkt der Bohrungen lag in den Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald und Elbe-Elster, die besonders stark von Waldbrandgefahren betroffen sind. Um Fördermittel in Anspruch nehmen zu können, schloss der Landesbetrieb Forst Brandenburg Pachtverträge mit privaten Waldbesitzenden ab. Diese bilden den rechtlichen Rahmen für die Errichtung und Unterhaltung der Brunnen während des zwölfjährigen Zweckbindungszeitraumes
 

Hintergrund

Brandenburg ist eines der waldreichsten Bundesländer Deutschlands: Hier gibt es rund 1,1 Millionen Hektar Wald – das entspricht 37 Prozent der Landesfläche. Etwa 61 Prozent der Waldflächen gehören rund 100.000 privaten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern. Rund 38 Prozent des Privatwaldes entfallen auf Eigentümer, die weniger als 20 Hektar bewirtschaften. Größter Waldeigentümer ist das Land Brandenburg mit rund 272.500 Hektar, die vom Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) bewirtschaftet werden.
 

Nirgends in Deutschland stehen so viele Kiefern wie in Brandenburg: Die häufigsten Bäume in Brandenburg sind Kiefern (69 Prozent), Eichen (acht Prozent) und Buchen (vier Prozent). Die Zusammensetzung der Baumarten ist regional unterschiedlich. Der Anteil der Laubbäume nimmt von Norden nach Süden ab. Im Süden Brandenburgs hat die Kiefer mit 77,7 Prozent der Waldfläche ihren größten Anteil.
 

Der hohe Kiefern-Anteil ist ein Erbe der historischen Waldentwicklung: Noch im Mittelalter dominierten in Brandenburg Eichen und Buchen; Kiefern waren nur vereinzelt auf armen Sandböden zu finden. Im 18. und 19. Jahrhundert führten der steigende Holzbedarf zu großflächigen Abholzungen, nach denen nur die widerstandsfähige Kiefer auf den nährstoffarmen Böden schnell und gut gedeihen konnte. So erreichte die Kiefer in den preußischen Staatsforsten 1865 einen Anteil von 70 Prozent. Die nach dem Zweiten Weltkriegs zu leistenden Reparationen hinterließen erneut große Kahlflächen; bei den umfangreichen Wiederaufforstungen war die Kiefer erneut die wichtigste Baumart. Die Kiefer breitete sich auf diesen Flächen am schnellsten aus – daraus entstanden die heute vorherrschenden Kiefernbestände Brandenburgs. Die Waldkiefer wird selbst mit widrigsten Bedingungen fertig und kommt gut mit Trockenheit zurecht.
 

Erweiterte Baumartenpalette für eine zukunftsfähige Mischung im Wald: Die Neuauflage der Baumartenmischungstabelle wurde jetzt veröffentlicht. Damit erhalten Waldbesitzer eine Entscheidungshilfe, um bei der Waldverjüngung geeignete Baumarten auswählen zu können. Neu in der Liste sind 13 eher exotische Arten wie der Atlas-Zeder oder die Zerr-Eiche.
 


Pressemitteilung: Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg