(Neumünster) Der Wald ist für viele Menschen ein wichtiger Ort der Erholung und Freizeitgestaltung, an dem sie neue Kraft für den Alltag tanken können. Gleichzeitig ist auch der grüne Sommerwald kein risikofreier Ort. »Der Wald ist ein dynamischer Naturraum, in dem unabhängig von der Jahreszeit immer waldtypische Gefahren auftreten können«, erklärt Dr. Chris Freise, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Um Waldbesuchende dafür zu sensibilisieren, weisen Piktogramme an den Waldeingängen der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten auf die wichtigsten Gefahren und Verhaltensregeln hin. »Sie können jedoch nur aufmerksam machen – den besten Schutz bieten ein gesunder Menschenverstand und ein umsichtiges Verhalten.«
Herabfallende Totäste oder umfallende Bäume zählen nach der aktuellen Gesetzgebung zu den so genannten typischen Gefahren des Waldes. Das gelte auch für Wege im Wald. Vor allem Totholz und absterbende Bäume seien wichtig für die Artenvielfalt und gehören zum Wald. Anders als in einem Park müssen sich Waldbesuchende auf diese Gefahren einstellen. Besonders aufmerksam sollten Waldbesuchende bei starken Windböen und Gewittern sein. »Der häufig zu hörende Rat »Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen« ist ein gefährlicher Irrtum«, sagt Freise. »Wer ein Gewitter aufziehen sieht oder starke Windböen bemerkt, sollte den Wald möglichst umgehend verlassen. Vor allem alte und hohe Baumbestände stellen dann ein erhebliches Risiko dar.« Als vergleichsweise sicherer gelten lediglich sehr junge Waldbestände mit Bäumen, die deutlich unter zehn Metern und damit niedriger als ein gängiges Einfamilienhaus sind. Zu den waldtypischen Gefahren zählen darüber hinaus auch Vorkommen des Eichenprozessionsspinners mit seinen gesundheitsschädlichen Brennhaaren, Zecken, Fuchsbandwürmer, blutsaugende Insekten oder holprige Wege und sperrige Wurzeln. Im Klimawandel sind die Waldökosysteme zunehmendem Stress ausgesetzt, das erhöht perspektivisch auch potenzielle Gefahrenquellen.
Dass nach Sturmereignissen besondere Vorsicht geboten ist, weil umgestürzte Bäume, angeknackste Kronenteile oder Äste eine akute Gefahr darstellen, ist allgemein bekannt. Doch auch lange nach einem Sturm können geschädigte Bäume ihre Standfestigkeit verloren haben und unvermittelt umstürzen. Lose Äste oder abgestorbenes Totholz können jederzeit aus den Baumkronen herabfallen – auch entlang oder auf Waldwegen und selbst bei scheinbar ruhigem Wetter. Neben Sturmschäden können Trockenheit sowie Pilz- und Insektenbefall die Stabilität von Bäumen erheblich beeinträchtigen, ohne dass dies für Waldbesuchende erkennbar ist. »Diese Gefahren gehören zum Wald und lassen sich nicht vollständig vermeiden«, betont Freise. Das finde sich auch in den einschlägigen Regelungen des Bundes- und Landeswaldgesetzes. Dort sei jeder Bürgerin und jedem Bürger das freie Betretungsrecht im Wald für die naturverträgliche persönliche Erholung eingeräumt, das aber nur auf eigene Gefahr ausgeübt werden könne.
Lediglich an den Waldaußengrenzen zu öffentlichen Straßen oder Häusern sind Waldbesitzende durch jährliche Kontrollen verpflichtet, ihre Verkehrssicherungspflicht wahrzunehmen. Dadurch werde der von Menschen genutzte Außenbereich vor den typischen Gefahren des Waldes geschützt. Im Wald greife diese Pflicht aber nicht. Hier müsse jede und jeder für sich selbst mit gesundem Menschenverstand kritisch die Umgebung einschätzen und bei Sturm eben auch mal einen anderen Spazierweg wählen.
Um das Bewusstsein für diese Zusammenhänge zu stärken, bieten die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten spezielle Waldgefahrenseminare im ErlebnisWald Trappenkamp an. Dort erfahren Interessierte anschaulich mehr über waldtypische Gefahren, das richtige Verhalten im Wald sowie über Habitatbäume, Naturwälder und die naturnahe Waldwirtschaft der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten.
Pressemitteilung: Schleswig-Holsteinische Landesforsten (AöR)






