(Hohegeiß) Die Niedersächsischen Landesforsten haben im Wald der Revierförsterei Hohegeiß ein Überwinterungsquartier für Fledermäuse eingerichtet. Als neue Schlafstätte dient ein früherer Bergwerksstollen im Wolfsbachtal. Der Stolleneingang wurde mittels Bagger so weit geöffnet, dass einerseits Fledermäuse in den tiefer gelegenen Stollen fliegen können. Andererseits verschließt ein einbruchsicheres Stahlgitter das Quartier und ermöglicht eine störungsfreie Überwinterung. "Das Gitter brauchen wir, um die Fledermäuse vor Stollenbesuchern zu schützen, die die Tiere in ihrem Winterschlaf stören. Denn jegliche Störung im Winter führt dazu, dass die Tiere ihren Herzschlag erhöhen und Energie verbrauchen, die sie jedoch für den Rest des Winters als Reserve benötigen", erläutert Nadia Mehde. Die Försterin ist verantwortlich für Waldnaturschutz und berät das Forstamt Lauterberg mit der Försterei Hohegeiß.
Siegfried Wielert begleitet und koordiniert als Fledermausregionalbetreuer des NLWKN für den Landkreises Goslar die Schutzmaßnahmen. Er hat in dem Stollen viele Arten bei Winterzählungen dokumentiert. "Die einzelnen Fledermausarten überwintern in unterschiedlichen Bereichen des Stollens. Jede hat eigene Temperaturansprüche. Bislang habe ich die Arten Mausohr, Wasserfledermaus, Braunes Langohr, Fransenfledermaus, Bartfledermaus und die Brandfledermaus nachgewiesen", berichtet Wielert. Der Fledermausregionalbetreuer rechnet aber mit weiteren Arten, die den Stollen nach Abschluss der Optimierungsarbeiten besiedeln.
Daneben nutzen diese Stollen auch Feuersalamander, andere Amphibien und viele Insekten, wie beispielsweise Nachtschmetterlinge als Winterquartier. Ebenso sind einige speziell an den Untertage-Lebensraum angepasste Spinnenarten auf solche Quartier angewiesen.
Um allen auf diese Untertage-Quartiere angewiesenen Arten ein optimales Umfeld zu bieten, wurden etliche Hölzer aus dem Stollen von Hand beräumt. Holz schimmelt im sehr feuchten Untertage-Klima schnell und entwickelt dann unangenehme Gerüche. Die bilden laut Wielert eine olfaktorische Barriere für alle Felsüberwinterer.
Die Niedersächsischen Landesforsten finanzieren die Arbeiten zum Artenschutz. Das Land Niedersachsen unterstützt das Forstamt Lauterberg durch Fördermittel des Programms "GAK Fördermaßnahmen Naturschutz". Der Landschaftspflegeverband Goslar hatte die Fördermittel eingeworben. Auch weitere Fledermausprojekte auf den Flächen der Niedersächsischen Landesforsten sind dank der Naturschutz-Förderung noch geplant.
Hintergrund:
Stillgelegte Bergbaustollen, Felsspalten und Höhlen sind wertvolle Rückzugsplätze für Fledermäuse während ihres Winterschlafs. Auf Störung durch Besucher reagieren die Tiere empfindlich. Sie verbrauchen Energie, um wach zu werden und aus dem Winterquartier zu fliegen. Die streng geschützten Fledermausarten sind auch regelmäßige Waldbewohner. Die Niedersächsischen Landesforsten schützen nicht nur diesen Winterschlafplatz, sondern erhalten auch die sogenannten Wochenstuben. Fledermäuse ziehen ihre Jungtiere beispielsweise in Baumhöhlen auf. Verlassene Spechthöhlen, morsche oder abgebrochene Bäume bieten diesen Tieren Lebensraum. Ziel der Forstleute ist es, solche Bäume im Wald zu erhalten und gezielt Artenschutz für Fledermäuse zu betreiben. Das Winterquartier bei Hohegeiß können alle sogenannten Felsüberwinterer nutzen. Im Harz zählen hauptsächlich die Bart- und Wasserfledermäuse dazu, sowie Großes Mausohr und als Harzer Besonderheit die seltene Nordfledermaus.
Pressemitteilung: Niedersächsische Landesforsten






