Rund 400 Gäste aus Forstbetrieben und Forstverwaltungen, private Waldbesitzende, Wissenschaftler und Studierende aus Brandenburg und allen benachbarten Bundesländern haben heute am 21. Eberswalder Waldkolloquium des Landesbetriebs Forst Brandenburg (LFB) teilgenommen. Im Mittelpunkt der Tagung standen Strategien, wie die brandenburgischen Wälder an die Folgen der Klimaveränderungen angepasst werden können und ihre Resilienz erhöht werden kann. Die Umwandlung der Kiefermonokulturwälder in sogenannte Dauerwälder gilt dabei als das Mittel der Wahl.
Dazu erklärte der Staatssekretär im Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Stephan Nickisch in seinem Grußwort: „Der Wald ist Klimaschützer, Wirtschaftsraum, Ort für Erholung, Lebensraum und Schutzraum zugleich. Ihn widerstandsfähig zu machen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Impulse aus Wissenschaft und Praxis, wie sie regelmäßig beim Waldkolloquium zusammenkommen, sind dafür unverzichtbar.“
Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) als Abteilung des LFB betreibt anwendungsorientierte Forschung und Wissenstransfer zu Waldökosystemen in Brandenburg und dem nordostdeutschen Tiefland. Das jährlich stattfindende Waldkolloquium ermöglich unterschiedliche Themenschwerpunkte mit der forstlichen Praxis zu diskutieren und neue Forschungsergebnisse zu präsentieren.
Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf dem Konzept des Dauerwaldes, das bereits in den 1920er Jahren durch den Eberswalder Forstwissenschaftler Alfred Möller entwickelt wurde. Es fußt auf dem Verzicht auf Kahlschläge, auf naturnahem Waldumbau, der Vermeidung von Monokulturen, dem Schutz des Bodens und einer nachhaltigen Holzproduktion.
In diesem Zusammenhang betonte Staatssekretär Dr. Nickisch die Bedeutung der Jagd für den Waldumbau: „Auch Dauerwald ist kein Selbstläufer. Ohne angepasste Wildbestände ist Dauerwald nicht möglich. Er beginnt nicht im Lehrbuch, sondern auf der Fläche – und er scheitert überall dort, wo das Reh und der Hirsch schneller sind als die Naturverjüngung. Wenn natürliche Verjüngung durch überhöhten Wildverbiss verhindert wird, verlieren wir die Baumarten, die wir für klimaangepasste Mischwälder dringend brauchen. Vielfalt und Dauerwald lassen sich daher nur gemeinsam mit einer verantwortungsvollen Jagd erreichen – als partnerschaftliche Aufgabe von Forst und Jagd.“
Wasser, Vielfalt, Sicherung
Die Vorträge des Waldkolloquiums befassten sich darüber hinaus mit der Widerstandskraft von Waldökosystemn bei Wasserknappheit und den Auswirkungen von Vielfalts-Inseln im (Kiefern)-Wald auf die Insektenwelt. Unter dem Titel „Gebucht für die Arche Noah“ wurde über den Stand der Erhaltung forstgenetischer Ressourcen seltener Baum- und Straucharten Brandenburg berichtet.
Abschließend hob der Staatssekretär die Bedeutung des Waldkolloquiums hervor: „Neben Wissen und Innovation brauchen wir vor allem Vernetzung und Wissenstransfer. Der heutige Tag leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Moderne Monitoringmethoden, digitale Werkzeuge und praxisnahe Forschung helfen uns, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen – gerade in einem großen und vielfältigen Flächenland wie Brandenburg.“
Pressemitteilung: Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg






