700 Pfropflinge trotzen dem Eschentriebsterben

12. April 2019

Samenplantage in MV soll Saatgut für Eschen mit erhöhter Resistenz liefern

Pflanzung von 700 Eschenpfropflingen mit erhöhter Widerstandskraft gegen das Eschentriebsterben. Sie bilden den Grundstock für eine Eschensamenplantage. Foto: P. Röhe

Im mecklenburgischen Tressow sind auf einer Versuchsfläche des Landes Mecklenburg-Vorpommern Anfang April die ersten 700 Eschenpfropflinge gepflanzt worden. Die Setzlinge stammen von Eschen, die eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen das Eschentriebsterben gezeigt haben. Sie bilden den Grundstock für eine Samenplantage, aus der in etwa zehn Jahren hochwertiges Vermehrungsgut für Aufforstungen gewonnen werden soll.

Das Anlegen der Samenplantage aus Genotypen mit hoher Resistenz gegenüber dem Verursacher des Eschensterbens, einem aus Ostasien eingeschleppten Schlauchpilz (Hymenoscyphus fraxineus), ist Teil eines Verbundvorhabens zum Erhalt der Gemeinen Esche, an dem neben dem Forstlichen Versuchswesen der Landesforst MV auch das Thünen-Institut für Forstgenetik beteiligt ist.

Für die Bepflanzung der Plantage waren 2018 aus den Kronen augenscheinlich gesunder Eschen Reiser geschnitten und auf bewurzelte Eschenstämmchen aufgepfropft worden. Nach ihrer genetischen Charakterisierung wurden die in Töpfen herangezogenen Pfropflinge mit verschiedenen Methoden auf ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem verursachenden Pilz  getestet. 700 der getesteten Pflanzen – sie stammen von 70 Mutterbäumen, so genannten „Plusbäumen“ ab – blieben vital. Ihre offenkundig erhöhte Abwehrkraft gegen das Eschentriebsterben sollen sie künftig an ihre Nachkommenschaft weitergeben.

Aktuell laufen Resistenztests mit Pfropflingen von 100 weiteren, zu Jahresbeginn 2019 ausgewählten Eschen mit deutlich verringerter Anfälligkeit gegenüber dem Pilz, berichtet Projektkoordinator Dr. Peter Röhe. Er rechnet damit, dass weitere etwa 700 widerstandsfähige Pfropflinge die Plantage im Frühjahr 2020 ergänzen werden. Aufgrund der großen Anzahl von Genotypen – die dann mehr als 1000 Eschen-Abkömmlinge stammen von insgesamt etwa 140 Mutterbäumen – verfüge die Eschensamenplantage über eine breite genetische Vielfalt, unterstreicht Röhe. Neben dem Ansatz der vegetativen Vermehrung durch Pfropflinge wird in einem ergänzenden Projekt in der landeseigenen Baumschule außerdem die generative Vermehrung von Eschen über die gezielte Nachzucht aus Saat der „Plusbäume“ getestet.

Das Thünen-Institut übernimmt die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens. Neben der genetischen Diversität der Mutterbäume werden u. a. die Variabilität des Pilzes und artspezifische Marker für dessen Nachweis untersucht. Ziel des Gesamtprojektes ist die Vermehrung besonders widerstandsfähiger Eschen. Die Samenplantage sichert die künftige Erzeugung von qualitativ hochwertigem und genetisch vielfältigem Vermehrungsgut der Esche mit erhöhter Resistenz gegenüber dem Eschentriebsterben. Die Umsetzung des Vorhabens trägt zum Erhalt und der weiteren forstwirtschaftlichen Nutzung der Esche bei.

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