Thüringer Forstämter ab sofort mit Eichhörnchenklappe

01. April 2019

Zum 1. April führt ThüringenForst in allen seinen landesweit 24 Forstamtsliegenschaften die Eichhörnchenklappe ein. Die Hospitation der Jungeichhörnchen erfolgt in der Auerhuhnaufzuchtanlage in Langenschade. Foto: Daniela Tröger

Aus Sorge um das possierliche heimische Waldtier nimmt ThüringenForst elternlose Jungeichhörnchen zur Aufzucht an

Erfurt (hs): Im vergangenen Jahr war durch eine reichhaltige Mast der Waldbäume die Nahrungssituation für viele heimische Waldtiere überdurchschnittlich gut. Auch das Europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), landläufig oft als Rotes Eichhörnchen oder Waldeichhörnchen bezeichnet, profitierte hiervon. Gleichwohl ist das possierliche Nagetier bedroht: Eine zunehmende Zahl von Fressfeinden, darunter Greifvögel, Baummarder, Waschbär und Wildkatze, jagen den tagaktiven Baumkletterer. Aber vor allem das von Amerika nach Europa verschleppte, körperlich stärkere Grauhörnchen verdrängt die heimische Population recht massiv. Zur Bestandsstützung des Waldeichhörnchens hat sich nunmehr ThüringenForst zu einer ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen. Aus dem Nest gefallene Jungtiere können künftig an allen 24 Thüringer Forstämtern in einer speziell eingerichteten Eichhörnchenklappe abgegeben werden. Dabei bleibt die Identität des Naturfreunds, der das Junghörnchen abgibt, bewusst unbekannt.

Jeder kann Jungeichhörnchen anonym an einem Forstamt abgeben
„Um Naturfreunden die Sorge um eine mögliche Bußgeldbescheidung wegen unerlaubten Eingriffs in den Waldnaturhaushalt zu nehmen, sichern wir absolute Anonymität zu“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Abgegebene Jungeichhörnchen werden umgehend tiermedizinisch untersucht, erkennungsdienstlich per Pfotenring erfasst und sodann tierschutzgerecht mit dem Ziel aufgezogen, diese nach wenigen Monaten gestärkt wieder in die Freiheit zu entlassen. Hierzu wurde in den vergangenen Wochen in der betriebseigenen Auerhuhnaufzuchtanlage in Langenschade ein Zusatzgehege errichtet, das den Junghörnchen eine angemessene Hospitation ermöglicht. „Während der Unterbringung sollen gezielt die Kletterfähigkeiten der Jungtiere durch muskuläres Training verbessert und ihr Abwehrverhalten gegenüber Fressfeinden geschärft werden“, so Gebhardt weiter. Hierzu ist auch an eine temporäre Vergesellschaftung mit dem besonders wehrhaften Japanischen Eichhörnchen (Sciurus taekwondo) gedacht.

Eichhörnchenjunge suchen in der Not den Menschen
Haben Eichhörnchenmütter durch eigenen Nahrungs- und Energiemangel nicht genug Milch für ihre Jungen, werden Jungtiere in der Not aus dem Nest geworfen. Die herumirrenden Jungtiere suchen dann häufig die Nähe und den Schutz von Menschen. Nicht selten liest man in Zeitungsberichten, wie Waldwanderer von Eichhörnchenjungen geradezu belästigt werden, die Tiere diesen direkt am Hosenbein hochklettern. „Für diese hilferufenden Tiere ist unsere Eichhörnchenklappe oft die letzte Rettung“, so Gebhardt abschließend.

www.thueringenforst.de

(APRILSCHERZ)