Erste Sturmkahlflächen werden aufgeforstet

21. Februar 2019

Kaum sind die Sturm- und Käferflächen beräumt, steigen die ersten Forstämter in die Wiederbewaldung ein.

Schon in diesem Frühjahr starten erste Forstämter mit der Wiederbewaldung. Hier pflanzt ein Forstwirt Weißtanne, eine -im Gegensatz zur Fichte- klimarobuste Nadelbaumart. Foto: Dr. H. Sproßmann

Rund 1.300 Hektar Kahlflächen haben die Sturm- und Borkenkäferschäden bisher in den Wäldern Thüringens hinterlassen. Immerhin eine Fläche doppelt so groß wie Gibraltar. Zusätzlich zeigen rund 500 Hektar Forstkulturen, mehr als die doppelte Landesfläche Monacos, Trocknisschäden, die eine Ersatzpflanzung erfordern.  Als wäre das nicht schon genug, haben Thüringens Waldbesitzer ab Mai erneut den Kampf gegen den gefährlichen Fichtenborkenkäfer zu schlagen. Und doch planen die Grünröcke der ThüringenForst-AöR im anstehenden Frühjahr erste Wiederbewaldungen auf den Kahlflächen oder die Sanierung vertrockneter Kulturen. Allerdings mit neuen waldbaulichen Zielen: Mischwälder sollen entstehen, die künftig robuster auf die künftigen Klimaextreme reagieren.

Forstliche Antwort auf Sturm und Käfer: Mischwälder

„Gerade in den unteren und mittleren Lagen ist es ein Gebot der Stunde, die Fichte durch standortsgeeignete Nadelbaumarten wie etwa die Weißtanne, die Douglasie oder auch die Lärche zu ersetzen und zusätzlich einen Laubholzanteil von mindestens 20 % zu sichern“, so Volker Gebhardt. In die Hände spielt den Förstern hierbei die letztjährige Eichenvollmast, die zu einem Rekordergebnis von 18,5 Tonnen Eichensaatgut geführt hat. Damit ist die Versorgung mit jungen Eichenschösslingen ab Herbst 2019 und die komplette Pflanzsaison 2020 über die betriebseigene Forstbaumschule Breitenworbis gesichert. In den höheren Lagen des Thüringer Waldes, des Ostthüringer Schiefergebirges und des Harzes wird dagegen die Fichte weiterhin die Waldlandschaft prägen, auch wenn der Anteil an Weißtannen und Buchen dort zunehmen wird. Bis dahin müssen die Kahlflächen für die neuen Setzlinge beräumt und vorbereitet werden, um eine effiziente Kulturpflege zu gewährleisten. Alleine die vom letzten Frühjahrssturm „Irenäus“ 2018 besonders arg gebeutelten Westthüringer Forstämter Bad Salzungen und Marksuhl müssen in den nächsten Jahren zusammen über 220 Hektar Sturmkahlflächen aufforsten, die sich aktuell durch Borkenkäferbefall an den Rändern schnell vergrößern.

Zwei Westthüringer Forstämter besonders hart betroffen

Das Thüringer Forstamt Marksuhl plant, im dortigen Landeswald auf den etwa 22 Hektar Kahlflächen rund 40.000 Jungbäumchen, vorwiegend Weißtannen, Lärchen, Douglasien und Buchen, zu pflanzen. Bei den vielen Kleinkahlflächen fördern die dort zuständigen Förster zuerst die natürlichen Verjüngungskräfte der Natur und ergänzen die entstehende Waldbestockung durch fehlende Baumarten. Im Thüringer Forstamt Bad Salzungen werden in diesem Frühjahr rund 73 Hektar wiederbewaldet. Auch hier stehen Weißtannen und Douglasien, aber auch Winterlinde und Wildkirsche   im Fokus der Förster. Im November 2018 wurden schon neun Hektar Kahlfläche mit Eichen-Saatgut wiederaufgeforstet, das z. T. Kinder und Jugendliche im Herbst 2018 mitgesammelt hatten. So entsteht auf den von den Stürmen zerstörten Flächen beider Forstämter vielfältige und artenreiche Mischwälder.

Wiederbewaldung ist nicht nur Jungpflanzen setzen

Mit der, in der Regel teuren, Aufforstung selbst ist die Wiederbewaldung der Sturm- und Borkenkäferkahlflächen nur zum Teil erledigt. Aufforstungen in diesem Umfang müssen durch ein entsprechendes Jagdkonzept begleitet werden, um zu verhindern, dass die Jungpflanzen gleich wieder durch das Rehwild, verbissen werden. Eventuell lassen sich kostenintensive Zaunbauten nicht umgehen. Ebenso muss die mit der Aufforstung verbundene Kulturpflege abgesichert sein, finanziell wie auch personell. Die Arbeit wird Thüringens Waldbesitzer in den nächsten Jahren mit Sicherheit nicht ausgehen und die finanzielle Belastung wird erheblich sein.

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