Ein Arbeitsplatz in den Wipfeln der Bäume

02. November 2018

Ein Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Forstwirt Peter Buchbinder erklimmt bei der Ernte von Fichtenzapfen im Forstbetrieb Fichtelberg der Bayerischen Staatsforsten die höchsten Bäume. Foto: BaySF

In schwindelerregender Höhe sammeln Forstwirte der Bayerischen Staatsforsten derzeit Fichtenzapfen. Dazu klettern sie in der Nähe von Fichtelberg bis in die Baumspitzen, wo die begehrten Zapfen in rauen Mengen zu finden sind. Nach der starken Fichtenblüte im Frühjahr, lohnt sich die Ernte dieses Jahr besonders. Aus den gewonnenen Samen soll eine neue Baumgeneration entstehen.

Mitten im Wald hängt am Stamm einer starken Fichte ein grünes Seil aus der Baumkrone herunter. Wo kommt es her? Ein Blick nach oben verrät dessen Ursprung: Dort ist es am Klettergeschirr von Peter Buchbinder befestigt. Er ist Forstwirt bei den Bayerischen Staatsforsten und ausgebildeter Zapfenpflücker. Sichtbar als leuchtend oranger Farbklecks, sitzt er inmitten der dunkelgrünen Fichtenkrone und pflückt einen Fichtenzapfen nach dem anderen.

„Ich bin schon als kleiner Junge gerne auf unseren Kirschbaum im Garten ge­klettert“ erzählt er, nachdem er sich mit seiner Kletterausrüstung gekonnt von dem über 30 Meter hohen Baum abgeseilt hat. „Als ich nach meiner Ausbildung zum Forstwirt hörte, dass man sich zum Zapfenpflücker weiterbilden kann und dazu auf Bäume klettern muss, wollte ich das unbedingt machen.“

Ein Glück für Andreas Büchner. Dem Leiter des Pflanzgartens der Bayerischen Staatsforsten in Bindlach verhilft der Zapfenpflücker zu den wertvollen Samen, die sich in den grün-braunen, ungeöffneten Zapfen befinden. „Wir können nicht warten bis die Zapfen von alleine herunterkommen, denn bis dahin sind die Samen längst herausgefallen“ erklärt er. Die Samen braucht Büchner einerseits, um daraus neue Fichtenpflanzen anzuziehen. Andererseits wird ein Teil zur Erhaltung der Gene in einer Samenbank aufbewahrt.

Die Fichtenzapfen aus dem beernteten Waldbestand im Fichtelgebirge sind sehr begehrt. Dieser ist als anerkannter Saatgutbestand amtlich registriert und somit speziell für die Saatguternte ausgewählt. „Die Qualität und Vitalität der Bäume ist hier ausgesprochen gut“ bestätigt Martin Hertel, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Fichtelberg. „Und das ist genetisch in den Samenkörnern gespeichert.“

Besonders dieses Jahr hoffen die Waldexperten auf eine reiche Ernte. Die intensive Blüte der Fichten machte sich im Frühjahr mit gelben „Pollen-Staubwolken“ bemerkbar, die alles mit einem gelben Schleier überzogen, einschließlich Autolack und Fensterscheiben. Im Wald führte der Blütenstaub zu einer sogenannten Vollmast, d. h. fast alle fruchtbaren Fichten haben dieses Jahr Zapfen mit Samen ausgebildet.

Nachdem der gefüllte „Ernte-Sack“ von Zapfenpflücker Peter Buchbinder auf festem Boden steht, schneidet Andreas Büchner zur Demonstration einen der gepflückten Zapfen entzwei. Zwölf keimfähige Samen befinden sich darin. „Das ist ein gutes Ergebnis“ freut er sich. Knapp eine Tonne Zapfen wollen die Forstwirte in den nächsten Tagen sammeln. Diese enthalten etwa 30 kg reine Samenkörner. Daraus werden schließlich 1,5 Millionen kleine Fichtenpflanzen heranwachsen. Mit den guten Genen aus Fichtelberg.

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