Ohne weitere Hilfe ist die Fichte dem Käfer ausgeliefert

11. September 2018

Käferbäume, eingeschlagen, entastet und am Forstweg gepoltert: Damit keine Käfer, die sich unter der Rinde verstecken, ausfliegen und umliegende von der Trockenheit geschwächte Fichten befallen, werden die Polter mit Pflanzenschutzmittel behandelt. Bei Kontakt stirbt der Borkenkäfer. Foto: Dr. Horst Sproßmann

Erfurt (hs): ThüringenForst, mit 200.000 Hektar größter Waldbesitzer im Freistaat, setzt in diesem Jahr vermehrt Pflanzenschutzmittel ein, um die weitere Ausbreitung des Fichtenborkenkäfers zu bremsen. Die Fichte ist mit fast 40 % Anteil nicht nur wichtigster Waldbaum im Freistaat, sondern auch Charakterart des Thüringer Waldes. Waldbesucher müssen verstärkt mit Pflanzenschutzmittel behandelten Holzpoltern entlang der Forstwege rechnen. ThüringenForst empfiehlt, in den nächsten Wochen konsequent das Betretungsverbot von Holzpoltern zu beachten. Die gesetzlich zugelassenen, zertifizierungskonform angewandten Pflanzenschutzmittel sind gesundheitlich unbedenklich.

Die Fichte wird es vielfach alleine nicht mehr schaffen
„Die Fichte wird den Kampf gegen den Borkenkäfer ohne zusätzliche Vorsorge- und Schutzmaßnahmen vielfach nicht schaffen. Die Trockenheit setzt den Bäumen so extrem zu, dass die Abwehrkräfte vieler Fichten gegen Null tendieren“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. So zeigen befallene Fichten teilweise überhaupt keinen Harzfluss mehr, mit dem der Baum einen Käferangriff bei ausreichender Wasserversorgung ansonsten abwehren kann. Bedingt durch den diesjährigen Witterungsverlauf trat der erste Borkenkäferflug Mitte April rund vier Wochen früher als in Durchschnittsjahren ein. Diesen „Zeitvorsprung“ nutzte der Käfer, um sich extrem zu vermehren. Dies bedeutet, dass ein einzelnes Borkenkäferpärchen innerhalb einer Saison bis zu 100.000 Nachkommen produzieren kann. Deshalb setzen Thüringens Grünröcke auch auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, um den Borkenkäfer direkt zu bekämpfen. Dabei kommen nur zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die auf Ökosystemverträglichkeit geprüft wurden. Die Ausbringung erfolgt durch fach- und sachkundiges Personal, das intensiv im Vorfeld geschult wurde. Zusätzlich wacht mit der freiwilligen PEFC-Zertifizierung ein „Wald-TÜV“ über den gesamten Staatswald, der alle forstbetrieblichen Maßnahmen genauestens überprüft.

Borkenkäfer müssen jetzt in großer Zahl unschädlich gemacht werden
Ziel des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln ist es, eine möglichst große Zahl an Borkenkäfern unschädlich zu machen. Deshalb werden befallene Fichten umgehend eingeschlagen, aufgearbeitet und am Waldweg gelagert. Da sich in diesen Poltern noch tausende Borkenkäfer unter der Rinde befinden, die ausfliegen und gesunde, umliegende Fichten befallen können, werden diese Polter mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt. Nach Aufbringung der Pflanzenschutzmittel auf die Holzpolter trocknen die Schutzmittel umgehend ein und stellen weder eine Gefährdung der Waldbesucher, noch des Forstpersonals dar.

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