Leiden unsere Waldbäume unter der Sommerhitze?

03. August 2018

Folgt man den Klimaprognosen, brütet die Sommerhitze künftig regelmäßig im Freistaat: ThüringenForst forscht deshalb mit Anbauversuchen an extrem trockenheitsrobusten Baumarten, etwa die Libanon-Zeder. Foto: Dr. Horst Sproßmann

Die seit April anhaltende Wärme und Trockenheit im Freistaat hat jetzt schon erhebliche Auswirkungen auf die Waldbäume. Und der eigentliche Sommermonat August steht noch bevor. Während Landwirte und Gärtner zumindest teilweise durch Beregnungsanlagen nachhelfen können, muss der Wald der sommerlichen Hitze selbst trotzen. Und Waldbäume haben tatsächlich individuelle Strategien, um gegen die Trockenheit zu bestehen.

Was passiert im Baum, wenn er unter Wassermangel leidet?
„Gerät der Baum unter Trockenheitsstress, fällt der Druck mit dem das Wasser in den Leitungsbahnen von den Wurzeln in die Kronen transportiert wird“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Zu beobachten ist diese erste Reaktionsphase an hängenden Blättern oder schlaffen Nadeltrieben. Hält der Trockenheitsstress weiter an, schließen Bäume die winzigen Spaltöffnungen in ihren Blättern und Nadeln und dämmen somit den Wasserverlust ein. Zum Nachteil der lebenswichtigen Fotosyntheseleistung, die ebenfalls eingeschränkt wird. Hält die Trockenheit weiter an, wirft der Baum grüne Blätter (Eiche, Aspe) und Früchte ab – zuerst einzeln, dann astweise. Birken, Buchen und Linden können sogar, als verfrühter Herbstblattfall, ihre ganzen Kronenblätter abwerfen. Jetzt beginnt der Baum seine Wachstumsvorgänge neu zu ordnen: Mit dem Verlust der Kronenblätter und –nadeln investiert der Baum seine Energie in das verstärkte Wachstum seines Wurzelwerkes, um an tiefer gelegene Wasserschichten zu gelangen. Sind alle diese Reaktionsphasen bei fortschreitender Trockenheit durchlaufen, gerät der Baum tatsächlich in Überlebensstress. Reißt nämlich die Wassersäule in den Gefäßen endgültig, erleidet der Baum eine „Embolie“, indem Luft in seine Wasserleitbahnen gerät und diese verschließt. „Sinkt die Wasserleitfähigkeit im Baum dadurch unter 40 %, stirbt er unwiederbringlich“, so Gebhardt.

Trockenheitsrobuste Baumarten im Vorteil
Ob ein Baum unter Trockenheitsstress gerät, hängt allerdings noch von vielen weiteren Faktoren ab. Grundsätzlich bildet sich eine geschlossene Walddecke in Mitteleuropa erst ab Jahresniederschlägen über 500 Millimeter. So hält etwa die südeuropäische Schwarzkiefer, das größte Vorkommen befindet sich südlich von Arnstadt, der Trockenheit sehr viel länger stand, als etwa die heimische Waldkiefer. Neben dem Standort des Einzelbaums und seiner Kronen- wie auch Wurzelkonkurrenzsituation im Bestand ist auch seine Genetik wichtig. Ursächlich ist die genetische Anpassung im Rahmen der Evolution. Forstleute bepflanzen deshalb sehr trockene Südhänge mit Schwarzkiefern, um dort Wald zu erhalten. Auch die amerikanische Douglasien, ähnlich die heimische Weißtanne – im Gegensatz zu Fichten, können relativ lange Trockenheit ertragen. Beim Waldumbau der ThüringenForst-AöR wird dieses Wissen genutzt, um heute schon die richtigen Baumarten auf Standorte zu pflanzen, deren trockenheitsgeprägtes Klima sich erst 2050 bis 2070 einstellt.

Mit der Trockenheit kommt der Schädling

Als ob die Trockenschäden an Waldbäumen nicht schon genug der Probleme wären, mit der Trockenheit kommt auch noch der Schädling. Denn Trockenheit fördert die Vermehrung und Aggressivität von Schadinsekten, zuvorderst im fichtenreichen Freistaat den Borkenkäfer. Da ist es ein schwacher Trost für Förster und Waldbesitzer: Krankheiten, die durch Feuchte begünstigt werden, wie etwa die Kiefernschütte oder Pilzkrankheiten, werden bei trocken-warmer Witterung eher unterbunden.

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