Zurückhaltung beim Nadelfrischholz-Einschlag - Waldbesitzer reagieren damit auf Überangebot am Holzmarkt

27. Juni 2018

Foto: Bayerische Staatsforsten

Gemeinsame Erklärung von Waldbesitzerverband, Forstwirtschaftlichen Vereinigungen und Bayerischen Staatsforsten

Regensburg, 27. Juni 2018 – Spitzenvertreter von Bayerischem Waldbesitzerverband, Forstwirtschaftlichen Vereinigungen und der Bayerischen Staatsforsten trafen sich kürzlich zu einem Austausch über aktuelle Themen und Entwicklungen in Regensburg. Hintergrund des auf Initiative der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern angeregten Treffens waren die derzeit für den Waldbesitz massiv spürbaren Folgen des Klimawandels, etwa durch vermehrt auftretende Sturmereignisse und daraus begünstigten Borkenkäferbefall der Wälder. Der Holzmarkt sei derzeit aufgrund der großen Schadholzmengen, die auch aus anderen Bundesländern nach Bayern fließen, angespannt und durch ein Überangebot an Holz gekennzeichnet. Man stellte übereinstimmend fest, dass dem Waldbesitz aus diesen Entwicklungen ein nennenswerter zusätzlicher Arbeitsaufwand und erhebliche Zusatzkosten in Millionenhöhe entstehen - eine Situation, die auch nach neuen Lösungen und Strategien verlangt.

Die Bayerischen Staatsforsten verfolgen daher die Strategie, den Nadel-Frischholz-Einschlag gerade auch in den kommenden Sommermonaten spürbar zu reduzieren und so zur Marktentlastung beizutragen. Wie Vorstandsvorsitzender Martin Neumeyer unterstrich, hätten die Staatsforsten zudem durch den bayernweiten Aufbau von erheblichen Nasslager-Kapazitäten für derartige Situationen vorgesorgt und lagerten aktuell größere Mengen an Nadelstammholz in ihre Nasslager ein. Dies sichere den Qualitätserhalt des wertvollen Holzes und effektiven Waldschutz gleichermaßen.

Vertreter der Forstwirtschaftlichen Vereinigungen und Staatsforsten beschlossen zudem, in einem gemeinsamen Pilotprojekt Nasslager-Kapazitäten der Staatsforsten gemeinsam zu nutzen, um hochwertiges Frischholz aus Kalamitätsereignissen qualitätserhaltend dem Markt vorübergehend zu entziehen und so zu einer Marktstabilisierung beizutragen.

Die Vertreter der anwesenden Forstwirtschaftlichen Vereinigungen kündigten an, Waldbesitzer und ihre Mitgliedervereinigungen dahingehend zu beraten, Frischholz in den kommenden Monaten nur sehr zurückhaltend zu ernten, um den Holzmarkt möglichst rasch zu stabilisieren und nicht weiteres Frischholz in einen ohnehin überlasteten Markt zu geben. Ein ausgeglichener stabiler Holzmarkt diene allen am Markt Beteiligten, so die Spitzenvertreter von Waldbesitzerverband, Forstwirtschaftlichen Vereinigungen und Staatsforsten.

Die Borkenkäfersituation stellt sich in Bayern nach übereinstimmendem Urteil der Anwesenden differenziert dar. Aktuell werde trotz intensiver Borkenkäfersuche nur in begrenztem Umfang frischer Befall stehender Bäume festgestellt. Statt dessen sei im Wald lagerndes Stammholz stark befallen. Da diese Hölzer aber in großem Umfang aus dem Wald in Nass- und Trockenlager gebracht, entrindet oder auf andere Weise waldschutzwirksam behandelt werden können, bestehe differenziert nach Regionen die Chance, die Borkenkäferdynamik in diesem Jahr unter Kontrolle zu halten. Man war sich einig, dass für ein endgültiges Urteil die weitere Entwicklung im Sommer abzuwarten sei.

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