Wald: Vermessen, angebohrt, verkabelt und beobachtet

13. April 2018

Hauptmessstation Possen: Die Erfassung von Niederschlags- und Stammabflusswasser dient der laborgestützten Bestimmung chemischer Inhaltsstoffe. Foto: Andreas Knoll

Forstleute schöpfen ihr Wissen über Bäume und Wälder aus verschiedenen Forschungsbereichen, etwa der Biologie, der Bodenkunde oder der Meteorologie, die zu den Forstwissenschaften zusammengefasst sind. „Der Schwerpunkt der praktischen forstlichen Forschung findet aber vielfach nicht in Instituten oder Hörsälen statt, sondern in den Freilandlaboratorien inmitten des Waldes“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. So wird der Forschungsgegenstand Wald zum Forschungsort Wald. Vermessen, angebohrt, verkabelt und teilweise sogar unters Dach gestellt wird die Komplexität des Systems Wald genau unter die Lupe genommen. Auch Thüringens Wälder dienen als Forschungsobjekt, die vielfältigen Aktivitäten sind unter dem Dach des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha (FFK Gotha), eine Institution der ThüringenForst-AöR, gebündelt. Das FFK Gotha ist eines von bundesweit neun forstlichen Forschungszentren, ergänzt um das nationale Johann Heinrich von Thünen-Institut.

Die Waldzustandserhebung – der jährliche Gesundheitscheck
Seit 1991 wird im Freistaat jährlich der Gesundheitszustand der heimischen Wälder im Rahmen einer Stichprobeninventur an rund 8.500 Baumkronen festgestellt. Die Erhebungen liefern einen aktuellen Überblick über die Vitalität der wichtigsten Thüringer Baumarten und ihren Veränderungen, eingeordnet in eine nunmehr 27-jährige Zeitreihe. Die Ergebnisse werden in Statistiken des Bundes und der EU integriert.

Die Bodenzustandserhebung – alle 15 Jahre ein Blick worauf Bäume wachsen
Im ca. 15-jährigen Turnus fokussiert sich die Forschung in Thüringens Wäldern auf den Waldboden. Stichprobenhaft werden u. a. das Nährstoffpotenzial, der Bodenwasserhaushalt, die Kohlenstoffspeicherung und die Bodenversauerung erfasst. Ab 2022 startet die nächste Bodenzustandserhebung im Freistaat. Laufend dokumentieren 14 Wald- und Hauptmessstationen ökosystemare Prozesse.

Bundeswaldinventur – Die große Bestandsaufnahme
Im 10-jährigen Turnus erfolgt in den Wäldern des Freistaats eine Großrauminventur, stichprobenhaft an 25.000 Bäumen. Dabei wird u. a. die Waldfläche, das Alter, die Baumartenverteilung, der Holzvorrat, die Holznutzung und die Naturnähe der Wälder ermittelt.

Waldschutzmonitoring – den unmittelbaren Gefahren auf der Spur
Monatlich überprüfen Forstschutzexperten, ob die heimischen Wälder durch biotische Gefahren, wie etwa Borkenkäfer, oder abiotische Gefahren, wie etwa Waldbrand, bedroht sind. Hierzu verfügen sie über ein modernes Meldesystem, das über landesweit 330 Meldestellen laufend aktualisiert wird.

Wildschadensmonitoring – wenn zu viel Wild den Wald schädigt
Im 3-jährigen Turnus wird die Schäl- und Verbissbelastung durch das Schalenwild im Gesamtwald erhoben. Eine zu hohe Dichte von Rot- und Rehwild führt zur Gefährdung der Baumverjüngung, in jungen Wäldern fressen die Tiere die Rinde von den Stämmen. Eindringende Pilze führen dann zur Fäulnis.

Klimaschutz- und -folgenforschung – wenn sich Borkenkäfer im Sturmholz tummeln
Jüngster Forschungszweig der Gothaer Forstwissenschaftler ist die Analyse der Klimafolgen für die heimischen Wälder. Wetterextreme, eine verlängerte Vegetationsperiode, sehr heiße Sommer und zunehmend milde Winter haben erhebliche Auswirkungen auf das Baumwachstum und längerfristig auf die Baumartenzusammensetzung. Derzeit werden seltene, trockenheitsrobuste heimische Baumarten wie Elsbeere oder Weißtanne werden ebenso für den Anbau erforscht, wie neue Baumarten, etwa Douglasie oder Esskastanie. Auch der komplexe Beitrag heimischer Wälder und Holzprodukte zur Bindung und Vermeidung von klimaschädlichen Treibhausgasen wird im FFK Gotha erforscht.

Übrigens: Die Forschungsergebnisse kommen allen Waldbesitzern, der Politik wie auch anderen Fachverwaltungen im Freistaat zu Gute.

www.thueringenforst.de