Heimische Wälder mit ersten Farben und Düften

05. April 2018

Ein duftender Blumenteppich als Frühlingsbote: Buschwindröschen im Erfurter Steiger. Foto: ThüringenForst

Nach langem Winter zeigen sich Anfang April die ersten längeren Sonnentage mit milden Temperaturen. Und schon bald bieten die Wälder in Thüringen für aufmerksame Naturfreunde ein besonderes Ereignis: die Frühblüher als auffälligstes Farb- und Duftphänomen in den noch weitgehend winterkahlen Forsten. Scharbockskraut, Winterlinge, Seidelbast, Märzenbecher oder Buschwindröschen sind erste (Vor)Frühlingsboten, noch bevor der Laubaustrieb der Waldbäume beginnt. Ihre Blütezeit ist allerdings nur kurz. Wer deshalb die erste Blütenpracht des Jahres genießen will, sollte die nächsten Wochen einen Waldspaziergang einplanen. Erst wieder zur Herbstfärbung faszinieren die heimischen Wälder in ähnlicher Weise Sinne und Seele der Waldbesucher.

Frühblüher sind Spezialisten im Ökosystem Wald
„Insbesondere die Laubwälder in den ebenen oder hügeligen Lagen, so etwa der Steiger bei Erfurt, der Webicht bei Weimar, das Rautal bei Jena oder die Wälder um die Wartburg sind hierfür beispielhafte Ausflugsziele“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Wegen der noch fehlenden Belaubung fällt in diesen Gebieten derzeit sehr viel Licht auf den Waldboden. Die gegenwärtigen Temperaturen sind günstig, die ersten Sonnenstrahlen erwärmen die lockere Streuauflage am Waldboden rasch. Ideal für die durchaus farbenfrohen, duftenden, bodennah wachsenden Frühblüher. Sie verfügen über spezielle, teils unterirdische Speicherorgane wie Knollen, Zwiebeln oder Sprossen, in denen sie im Vorjahr Reservestoffe einlagern konnten, die zu Beginn der Vegetationsperiode ein schnelles Wachsen und Blühen unterstützen. Gleichsam ein von der Natur erstelltes „Starterpaket“. Gut wasserversorgte und nährstoffreiche Böden tun ein Übriges, um die Spezialisten im Ökosystem Wald umso schneller gedeihen zu lassen.

Der Laubaustrieb beendet die erste duft- und farbenfrohe Phase im Wald
Mit Beginn des Laubaustriebs, bei der Buche etwa im April, beendet der Bärlauch als letzter Frühblüher im Jahresverlauf die kurze, aber farb- und duftreiche Phase im Wald. Und dieser Abschluss ist umso bemerkenswerter: der intensive, knoblauchähnliche Geruch, den vor allem die Blätter des Bärlauchs verströmen, ist unverwechselbar. Jetzt beginnen auch schon die ersten Frühblüher, wie das Scharbockskraut, sich zurückzuziehen. Die sattgrünen Blätter beginnen ab Mai zu verwelken – während der Hauptteil der Waldvegetation jetzt erst zu explodieren beginnt. Übrigens: Frühblüher sind weltweit betrachtet eine seltene Artengruppe. Nur die klimatischen Bedingungen im kühlgemäßigten Mitteleuropa mit ausgeprägten, temperaturbestimmten Jahreszeiten ermöglichen ihr Auftreten. Ein weiterer Grund, diese bemerkenswerte Spielart der Natur vor der eigenen Haustür in Augenschein zu nehmen.

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