ThüringenForst bremst Einschlag im Nadelholz

12. Februar 2018

Forstministerin Birgit Keller (li.) lässt sich von ThüringenForst-Vorstand Volker Gebhardt das Ausmaß der Schäden durch Sturmtief „Friederike“ am Beispiel des Privatwaldes in Eschenbergen (Landkreis Gotha) aufzeigen. Foto: Dr. Horst Sproßmann

„Mit aktuell geschätzten 250.000 Festmetern Schadholzanfall im Landeswald und weiteren 250.000 Festmetern im Privat- und Körperschaftswald im Gesamtwert von rund 35 Mio. Euro sind Thüringens Waldbesitzer im Vergleich zu den umliegenden Bundesländern insgesamt nicht so massiv betroffen“, sagte heute Forstministerin Birgit Keller in Eschenbergen, als sie sich vor Ort zum Stand der Sturmschadensbewältigung informierte. Sturmtief Friederike hat außerhalb Thüringens deutlich mehr Schadholz verursacht. Insgesamt gehen Experten derzeit bundesweit von acht Millionen Festmeter Schadholz aus. ThüringenForst hat in seinen Wäldern nun aktuell den Frischholzeinschlag im Nadelholz reduziert. Damit soll verhindert werden, dass Holzerntekapazitäten im regulär geplanten Einschlag unnötig gebunden werden, während die dringende Aufarbeitung von Schadholz verzögert wird. Speziell das Nadelsturmholz, allen voran die Fichte, stellt in wenigen Monaten hervorragendes Brutmaterial für den Borkenkäfer dar. Dieser, so die Forstschutzexperten, könnte sich dann explosionsartig vermehren und ausgedehnte Waldbestände bedrohen. Der hieraus entstehende Schaden würde die jetzige Schadsumme weit übertreffen, wenn nicht eine schnelle Aufarbeitung des Schadholzes erfolgt. Laubholz ist im Freistaat in geringerem Umfang vom Sturmtief betroffen. Der Einschlag dieser Baumarten wird daher wie geplant fortgeführt, soweit die Witterungsverhältnisse dies zulassen.

Aufarbeitung von Sturmholz ist aufwendig und gefährlich
Die Aufarbeitung von Sturmholz ist besonders risikoreich, da das Holz unter Spannung steht und die davon  ausgehenden Gefahren mitunter schwer erkennbar sind. „Ich appelliere an alle, die in der Waldarbeit tätig sind, besonders vorsichtig und umsichtig zu arbeiten. Der Schutz der Gesundheit muss immer Vorrang haben“, sagte Forstministerin Keller. „Es überwiegen Einzel-, Nester- und Kleinflächenwürfe. Größere Flächen und Windbruch, also geknickte Bäume, sind nur vereinzelt in örtlichen Schadensschwerpunkten zu beklagen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Dieses Schadensbild bedeutet zweierlei: Zum einen ist die Aufarbeitung der vielen kleinen Schadensflächen sehr zeit- und kostenintensiv, da sie alle erst ausfindig gemacht werden müssen und jede sodann mit der Forstmaschine angefahren werden muss. Zum anderen ist die Aufarbeitung von Sturmholz eine extrem gefährliche Arbeit, die in der Vergangenheit immer wieder zu tödlichen Unfällen mit Forstwirten führte. Deshalb setzt ThüringenForst auf den Einsatz von Forstmaschinen, in deren Kabine die Forstwirte absolut sicher unmittelbar in den Schadflächen arbeiten können. Auch ist nur mit Forstmaschinen der oftmals mit dem Baum umgekippte Wurzelteller, nach der Trennung vom Baumstamm, wieder in seine Ausgangslage zurückzuführen. „Stehende“ Wurzelteller stellen für Waldbesucher eine akute Gefahr für Leib und Leben dar.  „Ohne Forstmaschinen wäre eine für die Forstwirte sichere Schadholzaufarbeitung in relativ zügiger Art und Weise nicht leistbar“, so Gebhardt weiter. Allerdings erschwert die bis letzte Woche nahezu frostfreie Witterung, der Januar war vergleichsweise um 3-4 ° zu warm, die Niederschläge lagen bei 180 bis 200 % eines Durchschnittsjahres, die Aufarbeitungsbedingungen: In den aufgeweichten Waldböden hinterlassen die Forstmaschinen tiefe Fahrspuren.

Das Krisenmanagement läuft, Rücksichtnahme seitens der Waldbesucher erforderlich
Während die Waldbesitzer zunächst damit beschäftigt waren, Wege zu beräumen , das Schadausmaß zu erfassen und mit der Aufarbeitung zu beginnen, steht in den nächsten Monaten die Aufarbeitung der Schadmengen und deren Transport in die Werke der Holzindustrie an. Dies wird vor allem eine logistische Herausforderung, denn der punktuell hohe Mengenanfall kann allein mit LKW aus den Wäldern bewegt werden. Diese sind derzeit rar und die aufnehmenden Werke voraussichtlich zeitweise überfordert. Daher wird ThüringenForst auch Nasslager für Fichtensägeholz gemeinsam mit ausgewählten Holzkunden anlegen. Die waldbauliche Beseitigung der Sturmschäden steht dann in den Folgejahren an. Hierzu sind Kleinflächenwürfe auszupflanzen und auch Voranbau mit jungen Bäumen in den geschädigten Beständen zu tätigen. Auch dies wird den von Friederike betroffenen Waldbesitzern nicht unerhebliche Investitionen abverlangen. Das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft informierte zu den bestehenden  Fördermöglichkeiten für die Privatwaldbesitzer: „Förderanträge im Zusammenhang mit Sturmschäden werden bei der Auswahl der zu fördernden Maßnahmen bevorzugt behandelt“, sagte Forstministerin Birgit Keller.
Es wird einige Monate dauern, bis das gewohnte Bild der Forstwege wieder hergestellt werden kann. Gebhardt bittet deshalb alle Waldbesucher, die notwendige Rücksichtnahme walten zu lassen. Stark in Anspruch genommene Forstwege, auch temporär gesperrte Forstwege, oder auch ein regional intensiver Schwerlastverkehr im Wald sind zwangsläufigen Folgen der Sturmholzaufarbeitung und dienen auch dazu, die Sicherheit im Wald für Erholungssuchende wiederherzustellen.

www.thueringenforst.de