Esskastanie ist „Baum des Jahres“ 2018

08. November 2017

Die Früchte der Esskastanie sind essbar, allerdings nicht roh, nur gekocht oder gebacken. Achtung: Die ähnlich aussehenden Früchte der Rosskastanie sind gering giftig! Foto: Andreas Knoll

Die Esskastanie (Castanea sativa) wurde vor wenigen Tagen in Berlin von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum „Baum des Jahres“ 2018 ausgerufen. Nach der gerade in Thüringen allgegenwärtigen Fichte, die „Baum des Jahres“ 2017 ist, wurde nun ein Wald-, Park und Straßenbaum aus dem Süden gewählt, der im Freistaat selten vorkommt. Der bis zu 30 Meter hoch wachsende und bis zu 600 Jahre alt werdende Baum ist ausgesprochen wärmeliebend und kommt in Deutschland vorzugsweise in den Weinanbaugebieten in Baden, der Pfalz und an der Mosel vor. In den Wäldern des Freistaats ist die Esskastanie in sehr begrenztem Umfang in lediglich sieben Waldbeständen inventarisiert, ansonsten findet sie sich ausschließlich als Einzelbaum in Wäldern, an Waldwegen, in Parks und Gärten. Sie gilt hierzulande als seltene Amazone aus dem Mittelmeerraum.

Die Esskastanie wurde von den Römern nach Deutschland gebracht

Die Esskastanie, auch als Edelkastanie bezeichnet, ist in der Herbstzeit für ihre kugelig-braunen, essbaren Früchte (in veredelter Form: Maronen) bekannt und beliebt. „Die Esskastanie hat nichts mit der in Thüringer Parkanlagen und Alleen weit verbreiteten, ebenfalls eingebürgerten weiß- und rotblühenden Rosskastanie zu tun, die zur Familie der Seifenbaumgewächse gehört“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Die Namensgleichheit ist ausschließlich auf die Ähnlichkeit der braunen Früchte zurückzuführen. Von den Griechen bereits in der Antike angebaut, wurde die Esskastanie vor rund 2.000 Jahren von den Römern über die Alpen nach Deutschland und bis nach Britannien verbracht. Was auch ihr Problem ist: Ihre Jahrtausende lange Nutzung durch den Menschen in unterschiedlichen Klimazonen hat möglicherweise ihre Genetik beeinflusst. Deshalb ist der Baum für die Forstwissenschaftler im Klimawandel zwar interessant aber zugleich auch schwierig einzuschätzen, während Forstpraktiker ihr langlebiges, goldbraunes Holz würdigen, etwa zum Möbel- und Fassbau. In den letzten Jahrzehnten hat allerdings ein um 1938 aus Amerika eingeschleppter Rindenkrebs die südeuropäischen Bestände der Esskastanie reduziert und sorgt hauptsächlich in Amerika für großflächige Schäden bei einer Esskastanien-Verwandten. Aktuell scheint sich die Esskastanie zu erholen, allerdings gilt ihr Anbau, auch im Freistaat Thüringen, nach wie vor als risikoreich. Deshalb ist die wärmeliebende, aber spätfrostgefährdete Esskastanie für Thüringer Förster auch keine Alternativbaumart vor dem Hintergrund des Klimawandels.

Esskastanie im Fokus der Forschung
Gleichwohl forschen Thüringer Forstleute zusammen mit Kollegen aus Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an der Esskastanie. Die sieben bekannten heimischen Anbauflächen, wenige Fußballfelder groß, liegen in den Forstämtern Jena-Holzland, Weida, Hainich-Werratal und Bad Salzungen und dienen momentan als Praxisobjekte für Genanalysen, Wuchsleistungsbeurteilungen, Schädlingsbefall und die richtige Bewirtschaftungsweise. Ältere Anbauversuche in Mischung mit anderen Baumarten verliefen in Thüringen bislang wenig erfolgreich. So bleibt der frisch gekürte Baum des Jahres 2018 in Thüringen wohl eine attraktive Seltenheit. Ein gelungener Ausgleich zum Charakterbaum des Thüringer Waldes und noch bis Jahresende amtierendem Preisträger, der Fichte.

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