Neuer Pilz bedroht heimische Ahorne

09. Oktober 2017

Typisches Indiz der fortgeschrittenen Rußrindenkrankheit am Ahorn: Die Rinde platzt auf und entlässt unzählige Sporen zur weiteren Verbreitung der Erregers. Foto: Mathias Stürtz

Vor wenigen Wochen wurde erstmals der Erreger der Rußrindenkrankheit in einem knapp fussballfeldgroßen Ahornjungbestand im Thüringer Forstamt Bad Berka nachgewiesen. Der Erreger, der Schimmelpilz Cryptostroma corticale zählt zu den Schadorganismen, die von den klimatischen Veränderungen, insbesondere sehr trocken-heißen Sommern, profitieren. Er trat erstmals 2005 in Baden-Württemberg auf und hat nun Thüringen erreicht. Blattwelke, Absterbeerscheinungen an der Krone und Schleimfluss am Stamm sind typische Symptome. Neben der Schädigung des Baumes gefährdet er auch die Gesundheit des Menschen: Die Pilzsporen führen beim Einatmen nach etwa sechs bis acht Stunden zu ggf. mehrtägigem Reizhusten, Fieber und Atemnot. Ob sich der Pilz weiter in Thüringen verbreitet, bleibt offen.

Heimische Ahornarten sind bedroht
Der hauptsächlich in Nordamerika und Teilen Großbritanniens verbreitete Erreger gefährdet alle vorkommenden heimischen Ahornarten jeglichen Alters, egal ob im Bestand oder als Einzelbaum. „Tritt anfänglich nur Blattwelke auf, folgen schnell Asttrocknis und Absterbeerscheinungen im Kronenbereich. In dieser Phase kommen längsverlaufende Rindenrisse auf der Stammoberfläche sowie Rindenabplatzungen hinzu“, erklärt Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. In der Spätphase des Befalls stirbt der Baum ab, auf dem Stamm finden sich massenhaft puderartige schwarzbraune Pilzsporen, die an eine Rußschicht erinnern. Diese Pilzsporen wandern bei geringsten Windbewegungen durch die Luft zu Nachbarbäumen. Entsprechend besteht eine hohe Gefährdung für Menschen in unmittelbarer Nähe des Baumes.

Holzernte im Schutzanzug und Atemmaske

Mit sofortiger Wirkung hat ThüringenForst seinen Mitarbeitern bei Forst- und Waldarbeiten an oder in der Nähe von befallenen Ahornen u. a. die Verwendung eines Schutzanzuges, eines Atemschutzes und leicht desinfizierbarer Schuhe oder Stiefel angeordnet. Fällungen sollten bei Regenwetter unter großräumiger Absperrung des Erntebereichs erfolgen. „Abgestorbene Bäume sollten keinesfalls als Brennholz verwendet werden, da die Sporen in geschlossenen Räumen noch effektiver wirken können. Das kontaminierte Holz darf nur abgedeckt transportiert werden und ist einer Entsorgung etwa in Kraftwerken zuzuführen“, so Gebhardt weiter.

Ahorne gehören zu den wichtigen Mischbaumarten Thüringens
Die heimischen Ahornarten, Berg-, Spitz- und Feldahorne, gehören zu den Hartlaubhölzern, die etwa 8,1 % der Waldfläche bedecken. Sie finden sich nahezu überall im Freistaat, sowohl im Tiefland wie auch in den Höhen des Thüringer Waldes. Das Holz ist ausgesprochen gesucht und wird vorzugsweise als Furnierholz etwa in der Möbelindustrie verwendet. Im Rahmen des Waldumbaus hin zu klimaangepassten Mischwäldern kommt den Ahornen eine wichtige Rolle zu. Grundsätzlich kann und muss mit gezielten forstlichen Maßnahmen die Vitalität und Widerstandskraft der Bäume erhalten und weiter gestärkt werden. Ob sich der Pilz weiter in Thüringen verbreitet, ist hingegen noch offen.

Schon 2009 trat erstmals in Thüringen ein rätselhaftes Baumsterben auf: Das Eschentriebsterben. Seither ist die forstliche Zukunft der Esche fraglich.

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