Wenn ein Waldschmetterling zur Gefahr wird

04. August 2017

Gut zu erkennen: Raupenbündel des Eichenprozessionsspinners, geschützt durch tausende Härchen. Kommt der Mensch mit den Härchen in Kontakt, kann es zu schwerwiegenden Erkrankungen der Haut, aber auch des Atemapparats kommen. Foto: Dr. Horst Sproßmann

Der Eichenprozessionsspinner, ein wärmeliebender Schmetterling, breitet sich in Südthüringens Eichenwäldern immer mehr aus. Jetzt steht seine Paarungszeit an. Während der nachtaktive und deshalb optisch eher glanzlose Falter kaum auffällt, sind seine Raupen umso gefährlicher. Zum einen für die Stiel- und Traubeneichen in den heimischen Laubwäldern, deren Blätter die Raupen fressen, zum anderen für den Waldbesucher. Kommt der nämlich mit einigen der 600.000 Brennhaare einer ausgewachsenen Spinnerraupe in Kontakt, muss er allergische Reaktionen fürchten, bis hin zu Bronchitis- und Asthmaanfällen. Kinder, Senioren und Allergiker sind besonders gefährdet. Das Waldschutzmonitoring der Landesforstanstalt überwacht deshalb diesen Falter intensiv und gibt Warnhinweise.

Ein schlichter Falter, aber eine gefährliche Raupe

„Der Falter fliegt in diesen Tagen, im August hat er Paarungszeit. Nach dem Hochzeitsflug legen die Weibchen rund 150 Eier in die Krone der Eichen ab“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Die Raupen schlüpfen im Folgejahr zwischen April und Anfang Mai. Ab einem gewissen Alter der Raupe bildet diese für den Menschen gesundheitsgefährdende Brennhaare aus. Die extrem hungrigen Raupen fressen während ihrer Entwicklung frisch ausgetriebene Eichenblätter radikal bis auf die Mittelrippe ab. Dazu wandern sie, Raupe hinter Raupe, prozessionsartig den Baumstamm und die Kronenäste entlang. „Einen einmaligen Raupenfraß kann eine Eiche überstehen. Wiederholter Befall, womöglich mit anderen Schädlingen, ist für den Baum in der Regel tödlich“, ergänzt Gebhardt.

Gesundheitsgefahren für den Menschen

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners stellen nicht nur eine Gefahr für die Baumgesundheit, sondern auch für die Gesundheit des Menschen dar. Die nur 0,1 mm langen Brennhaare verursachen bei Hautkontakt rote, juckende Pusteln. Die Spitzen der Brennhaare bohren sich in die Haut und brechen beim Kratzen ab. Durch die Bruchstelle wird ein Nesselgift freigesetzt, was anschließend zu heftigen allergischen Reaktionen führt. Beim Einatmen der feinen, extrem flugfähigen Härchen oder Teilen von ihnen, können zudem Atembeschwerden wie Bronchitis und Asthma auftreten. Deshalb sollten Waldbesucher die betroffenen Eichenbestände meiden, da die Gespinste mit den Raupenhaaren noch längere Zeit am Baum verbleiben. Die Forstämter stellen deshalb entsprechende Hinweis- und Warnschilder auf.

Mit Staubsaugern oder Biozid gegen die gefährlichen Raupen

Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um eine waldtypische Gefahr, also eine Gefahr mit der beim Waldbesuch gerechnet werden muss. Ob Bekämpfungsmaßnahmen wie Absaugen der Raupennester oder Biozideinsatz eingeleitet werden müssen, entscheiden die kommunalen Ordnungsämter in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden und ThüringenForst.
Das Gute: Derzeit ist der Eichenprozessionsspinner im Freistaat nur auf südwestliche Landesteile beschränkt. Das Schlechte: Jahr für Jahr vergrößert sich sein Befallsgebiet.

www.thueringenforst.de

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