Vom Baum zum Haus

30. Januar 2019

Außenansicht in der Dämmerung (Foto: Wald und Holz NRW)

Nachhaltig Bauen mit Buchenholz – Neues Bürogebäude im Stöckerhof aus Baubuche

Beim Hausbau denkt jeder direkt an Nadelholz, aus dem traditionell Dachstühle und Holzhäuser gebaut werden. Aber es geht auch anders: Aus heimischem Buchenholz kann man ebenso Häuser bauen. Hier gilt gleichermaßen: Langfristig verwendetes Holz im Bau ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz, weil energieaufwendige Baustoffe eingespart und CO² im Holz gespeichert wird. Unser heimischer, nachwachsender Rohstoff ist die Grundlage für ökologisches Bauen.

Auf Wunsch des Landesbetriebs Wald und Holz NRW ist in der unter Ensembelschutz stehenden Hofanlage des Forsthauses Stöckerhof ein kleiner Verwaltungsbau aus Holz entstanden. Im Gebäude sind rund 20 m³ Holz verbaut und damit etwa 20 Tonnen CO² dauerhaft gebunden.

Das eingeschossige Gebäude mit Pultdach setzt sich durch eine Brandwand aus Sichtbeton, große Fenster- und unbehandelte Holzflächen klar gegen den bestehenden Klinkerbau ab. Da Laubholz in Zukunft ein immer größerer Stellenwert als Bauholz zukommen wird und das Siebengebirge zu einem großen Teil aus bewirtschaftetem Buchenwald besteht, sollte bei diesem Projekt Buche als Konstruktionsholz genutzt werden. So entstand ein Gebäude dessen Tragkonstruktion fast ausschließlich aus dem neuen Produkt Baubuche besteht.

Alle Innenwände und auch die Decke zur Galerie und Dachboden sind aus den 60 mm starken statisch tragenden schichtverleimten Platten gefertigt. Deren Maserung, Asteinschlüsse und Furnierstöße ergeben eine lebendige Wandtextur. Schnittreste des Materials wurden als Türblätter und Treppenstufen eingesetzt. Auch bei der Pfosten-Riegelkonstruktion hinter der vorgehängten Eichenfensterfront und als Pfetten des Daches wurden Baubuchträgern nach statischen Erfordernissen verwendet. Die Außenfassade ist neben den großen Fensterflächen durch Wandverkleidungen aus gespaltenen Buchenschindeln (Süd- und Ostfassade) und einer Bodendeckelschalung (Rückseite) aus Douglasie geprägt.
Das kleine Gebäude fügt sich unauffällig in die Hofanlage und den schönen alten Baumbestand ein und zeigt seine Besonderheit nur dem genauen Betrachter.

Holzbau und Klimaschutz
Das Bauen mit Holz ist nicht nur schön, sondern dient auch dem Klimaschutz. Eine Studie für NRW hat ergeben, dass die Forst- und Holzwirtschaft jährlich rund 18 Mio Tonnen CO² einsparen bzw. festlegen. Davon sind rund ein Drittel im Holz gebunden, das auf der Waldfläche selbst zuwächst, zwei Drittel sind in langlebigen Produkten aus Holz gespeichert oder werden durch die Verwendung von Holz anstelle von energieaufwändigen Materialien wie Beton, Stahl oder Aluminium oder durch die thermische Nutzung von Holz anstelle von fossilen Brennstoffen eingespart.

Die nachhaltige Nutzungsmöglichkeit von Buchenholz liegt im Forstamt Rhein-Sieg-Erft bei fünfzigtausend Kubikmetern im Jahr. Dieser wird bei weitem nicht genutzt. Natürlich bleiben Tot- und Altholzbuchen in ausreichendem Umfang stehen. Die Nutzung erfolgt unter Berücksichtigung der Naturschutz- und Erholungsfunktion. Die Dynamik der Waldentwicklung wird durch die einzelstammweise Entnahme angeregt. Die natürliche Verjüngung und vorhandene Mischbaumarten werden gefördert. Die mit der Entnahme verbundene lokale Auflichtung des Kronendaches sorgt zudem für lichte Stellen, an denen lichtliebende Arten überleben können. Die Artenvielfalt wird dadurch gefördert und der Wald wird abwechslungsreicher für die Besucher.

Technische Daten
Anzahl Geschosse: 1
Art der Konstruktion: Außenwände Holzrahmenbau, Innenwände/Decke Massivholzbau
Bruttogrundfläche (BGF) in m2: 52 m²
Nutz- bzw. Wohnfläche in m2: 60 m²
Verbaute Holzmenge: Ca. 20 m³, das entspricht etwa einer dauerhaften Bindung von 20 Tonnen CO².

Energiekonzept
Energie-Erzeugung/-Herkunft: Erdgas
Maßnahmen zur Einsparung von Energie: Gasbrennwerttherme
Energiestandard: EnEV 2014

Beteiligte
Architektin: Anette Hertner, Büro Beisel, Königswinter
Nutzender Förster: Marc Redemann
Forstamtsleiter: Uwe Schölmerich, Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft
Holzbauer: Fa. Anton, www.antonholzbau.de/home.html
Baubuche der Fa. Pollmeier

www.wald-und-holz.nrw.de