Wald & Mensch

Foto: C. Blohm

Deutschland ist ein Waldland
Die Deutschen lieben ihren Wald und das nicht ohne Grund. Deutschland war in seiner Geschichte immer ein Waldland und dies spiegelt sich auch in unserer Kultur wider. Ob bei der Erfindung des Buchdrucks oder beim Bau von Musikinstrumenten, ob in unseren Märchen und Liedern oder gar in Städtenamen, immer geht es direkt oder indirekt um den deutschen Wald, seine Bäume oder das Holz. Nach der großen Holzknappheit in Deutschland vor 300 Jahren wurde hier von Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit entwickelt: Den Wald in einem besseren Zustand als jetzt der nachfolgenden Generation zu übergeben, ist in der Forstwirtschaft nach wie vor oberste Maxime. Heute ist Deutschland zu 32% bewaldet.

Waldfunktionen
Die Wälder erfüllen für unsere Gesellschaft vielfältige Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Sie sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sie schützen Boden, Wasser sowie Klima und reinigen die Luft. Neben dem nachwachsenden Rohstoff Holz stellen sie Pilze, Schmuckgrün und andere Produkte zur Verfügung. Nicht zuletzt sind sie ein bedeutender Erholungsraum.

Anders als Plantagen, in denen die Holzerzeugung Vorrang hat, oder z. B. Waldflächen, in denen Naturschutzziele Vorrang haben, bietet die auf dem weit überwiegenden Teil der Waldfläche Deutschlands umgesetzte multifunktionale Forstwirtschaft eine Vielzahl an Leistungen für die Volkswirtschaft und das Gemeinwohl auf gleicher Fläche. Die nachhaltige Forstwirtschaft sichert die Wälder und ihre Ökosystemleistungen auch für die Zukunft. Holzerzeugung, Naturschutz und Erholung sichern Arbeitsplätze und Wertschöpfung in ländlichen Räumen.

Wasserhaushalt
Über 40 % der Fläche der deutschen Wasserschutzgebiete liegen im Wald. Rund 2,1 Millionen Hektar (1 ha = 10.000 m2) Wald sind Trinkwasserschutzgebiet. Ein Hektar Waldboden kann bis zu drei Millionen Liter Wasser speichern und zurückhalten. In Hitzejahren tragen die Wälder daher ganz wesentlich zur Befeuchtung und Abkühlung der Umgebung bei.

Luft
Bäume erzeugen Sauerstoff. Ein 100-jähriger Eichenwald nimmt pro Jahr und Hektar circa elf Tonnen Kohlendioxid aus der Luft auf und erzeugt daraus rund drei Tonnen Pflanzenmasse (Blätter, Rinde, Wurzeln, Blüten, Früchte, Holz) und bis zu acht Tonnen Sauerstoff. Insgesamt erzeugt der Wald in Deutschland etwa 25 bis 38 Millionen Tonnen Sauerstoff pro Jahr.

Die Blätter und Nadeln der Bäume filtern Staub und Schadstoffe aus der Luft. Ein einziger Hektar Wald filtert pro Jahr bis zu 60 Tonnen Staub, daher ist die Luft im Wald besonders staubarm: Sie enthält bis zu 100-mal weniger Staub als die Luft in Großstädten.

Im Sägewerk. Foto: Klausner

Wirtschaftsleistung
Das nationale Cluster Forst und Holz umfasst alle vom Rohstoff Holz geprägten Wirtschaftsbereiche einschließlich Handel, Druckerei- und Verlagswesen. Dieser gesamte Wirtschaftsbereich bietet Einkommen für rund 2 Mio. Waldbesitzer sowie für rund 1,1 Millionen Beschäftigte (nur Forstwirtschaft: 64.000) in rund 125.000 Unternehmen. Im Jahr 2014 erwirtschafte es einen Umsatz von 178 Mrd. Euro bei einer Bruttowertschöpfung von 55 Mrd. Euro. Damit zählt das Cluster Forst, Holz und Papier im Hinblick auf Umsatz und Arbeitsplätze zu den bedeutendsten Wirtschaftsbranchen in Deutschland.

Der Staats-, Körperschafts- und Privatwald erzielen im Produktionsbereich „Holz und andere Erzeugnisse“ rund 430 Euro pro Hektar Ertrag.

 

 

Foto: PEFC Deutschland

Erholung, Freizeit und Gesundheit
In Deutschland darf der Wald zur Erholung betreten werden (§ 14 Bundeswaldgesetz).

Mehr als 55 Mio. Menschen in Deutschland (70 % der Bevölkerung) besuchen mindestens einmal im Jahr den Wald. Im Bevölkerungsdurchschnitt ergeben sich rund 28 Besuche pro Person und Jahr; jährlich gibt es in Deutschland schätzungsweise 2,3 Milliarden Waldbesuche.

Die Forstwirtschaft stellt mit Wegen und Waldparkplätzen eine Infrastruktur bereit, die den Waldbesuch in weiten Teilen überhaupt erst ermöglicht und angenehm macht. Rund 512.000 Kilometer Fahrwege und 62.000 Kilometer Fuß-, Reit- und Radwege erschließen den Wald.

Medizinische Studien belegen, dass Waldbesuche das menschliche Wohlbefinden steigern und die körperliche, mentale und soziale Gesundheit fördern. Der Aufenthalt im Wald wirkt auf Körper und Psyche beruhigend und entspannend. Er stärkt das Immunsystem und hilft, Stress und psychische Belastungen abzubauen. Dies gilt besonders für die Kombination von Waldbesuch und sportlicher Aktivität.

Foto: Landesforsten Rheinland-Pfalz

Waldpädagogik
Die Waldpädagogik als Teil der Bildung für nachhaltige Entwicklung will Menschen in die Lage versetzen, ihre Zukunft verantwortungsbewusst und nachhaltig zu gestalten. Sie nutzt den Wald als faszinierenden Lern- und Erfahrungsraum für ein ganzheitliches Lernen. Nur wer den Wald und die Natur kennt und schätzt, wird sie bewahren. Entsprechende Bildungsangebote haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Ein wichtiges Element der Waldpädagogik sind die Waldkindergärten. Ihre Anzahl wird bundesweit auf über 1000 geschätzt.

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Quelle: Waldbericht der Bundesregierung, 2017