Forstwirtschaft in Deutschland

Forstwirt bei der Arbeit. Foto: C. Naffin

In Deutschland sind die Waldbesitzer nach den Bundes- und Landeswaldgesetzen dazu verpflichtet, ihre Wälder „ordnungsgemäß und nachhaltig“  zu bewirtschaften. Die Forstwirtschaft in Deutschland muss die vielfältigen Ansprüche der Bürger am Produktions-, Erholungs- und Ökologiestandort Wald zu vereinen. Nachhaltige naturnahe Waldwirtschaft bedeutet am Anfang des 21. Jahrhunderts, dass auf ganzer Fläche alle Leistungen des Waldes - von der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und Erholungsraumes bis zur Bereitstellung des umweltfreundlichen Rohstoffs Holz - auch für künftige Generationen im selben Maße und Qualität zur Verfügung stehen wie für uns heute.

Deutschland ist das waldreichste Land Mitteleuropas und das holzreichste ganz Europas. Aktuell sind rund 11,4 Mio. Hektar mit Wald bedeckt. Das entspricht knapp einem Drittel der Gesamtfläche Deutschlands. Dank einer nachhaltigen Bewirtschaftung hat die Waldfläche trotz einer intensiven wirtschaftlichen Nutzung seit dem 2. Weltkrieg stetig zugenommen. Auf dem Fundament des Bundeswaldgesetzes ist die Waldfläche in den letzten 50 Jahren um mehr als 1 Mio. ha gewachsen. Ein Erfolgsgeheimnis dafür war die Verwirklichung des Prinzips „Schützen durch Nutzen“: durch eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung und die behutsame Öffnung für gesellschaftliche Interessen wie Erholung, Freizeit und Sport gewann der Wald in den Augen der Menschen an Wert – die beste Garantie für seinen Erhalt.

Einen überdurchschnittlichen Waldanteil haben die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen (42 %), gefolgt vom Saarland (40 %), von Baden-Württemberg (38 %), Bayern (37 %), Brandenburg mit Berlin (37 %) und Thüringen (34 %). Demgegenüber erreichen die restlichen Länder nur eine Bewaldungsdichte von 29 % (Sachsen) bis 11 % (Schleswig-Holstein).

Siehe auch http://www.bundeswaldinventur.de/

Forstwirtschaft - eine naturnahe Nutzung

Bei der Holzernte werden dem Wald nur in geringem Umfang Nährstoffe entzogen. Ein Einsatz von mineralischem Dünger findet nicht statt, und es werden nahezu keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Die moderne naturnahe und nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland strebt struktur- und artenreiche Mischwälder an.
Eine bewusste Abkehr von Nadelbaum-Monokulturen hin zu möglichst artenreichen Mischwäldern zeigt in den letzten Jahrzehnten deutliche Erfolge: In Deutschlands Wäldern gibt es wieder mehr Laubbäume. Aktuell haben sie einen Anteil von 43 % des Holzbodens. Damit ist der Anteil der Laubbäume gegenüber 2002 um rund 7 % (ca. 315.000 Hektar) gestiegen und der Anteil der Nadelbäume um ca. 4 % (267.000 Hektar) gesunken.

Der Pfälzer Wald. Foto: C. Blohm

Eine multifunktionale Forstwirtschaft schützt die Natur flächendeckend

Forstwirtschaft und Naturschutz haben nach dem Bundeswald- bzw. Bundesnaturschutzgesetz in weiten Bereichen sehr ähnliche Inhalte. Diese sind die Sicherung der nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter als natürliche Lebensgrundlage sowie der Erhalt der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Pflanzen- und Tierwelt. Weiterhin ist es Aufgabe der Forstwirtschaft, jede Maßnahme im Wald nicht nur mit den Naturschutzbelangen, sondern auch mit der Nutzung und Erholungsfunktion in Einklang zu bringen. Mit diesem umfassenden Konzept sichert die Forstwirtschaft dauerhaft sowohl die natürlichen Grundlagen und die Naturschutzwirkungen des Waldes, als auch alle Nutz- und Erholungsleistungen. Ebenso ist nachhaltige Holznutzung nötig, um der Gesellschaft den nachwachsenden, umweltfreundlichen Rohstoff Holz in den benötigten Mengen zu liefern. Dies ist eine Vorsorge, um den Holzimport aus Ländern mit Raubbau am Wald einzuschränken.

Mehr zum Waldnaturschutz

Ohne Kontrollen und das dafür erforderliche Datenmaterial ist eine nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht möglich. Die notwendige Grundlage für eine zeitgemäße und multifunktionale Waldbewirtschaftung sind daher zutreffende und aussagekräftige Daten über den Waldzustand und die Holzvorräte. Diese Basis erhält man im Zuge der so genannten Forsteinrichtung. Sie ist das bestimmende Bewirtschaftungs- und Planungsinstrument für den Forstbetrieb. Die Forsteinrichtung beinhaltet die Erfassung des Waldzustandes (Inventur), die Kontrolle durch die Beurteilung der im vergangenen Forsteinrichtungszeitraum durchgeführten Maßnahmen und die Planung für den folgenden Forsteinrichtungszeitraum in periodischen Abständen.

 

Naturnaher Waldbau verbindet Ökologie und Ökonomie

Mit naturnahen Waldbaumethoden hat die Forstwirtschaft ein Konzept entwickelt, den Grad der Natürlichkeit auf der gesamten Waldfläche zu fördern. Bei der Umsetzung von forstlichen, waldbaulichen Maßnahmen ist nur das ökonomisch langfristig erfolgreich, was ökologisch vernünftig angelegt wurde.
Kennzeichen einer modernen naturnahen Forstwirtschaft:

  • Aufbau stabiler, stufiger, ungleichaltriger Wälder
  • Laub- und Mischwälder mit standortgerechten Baumarten. Eine ausreichende Baumartenvielfalt ist im Hinblick auf die ökologische Stabilität und angesichts der Zukunftsrisiken, zum Beispiel durch Klimaveränderungen, anzustreben
  • Möglichst natürliche Waldverjüngung mit langen Verjüngungszeiträumen
  • Erziehung starker Bäume mit wertvollem Holz. Nutzung möglichst einzelstamm- bis gruppenweise ohne Kahlschlag
  • Bodenpflege: Erhaltung der natürlichen Leistungsfähigkeit des Standorts; Verzicht auf Düngung; Sicherung historischer Waldstandorte; bodenschonende Holzerntemethoden und Rückeverfahren

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