So trotzen Waldtiere den eisigen Temperaturen

31. Januar 2017

Eiskalter Schneewanderer: Die flugunfähige Schneeschnake lebt in und auf der Schneedecke, aufmerksame Langlauffreunde dürften die 4 mm große Mückenart im Thüringer Wald schon öfter angetroffen haben. Foto: ThüringenForst

Viele Waldtiere verbringen den Winter im wärmeren Süden oder verschlafen ihn schlichtweg. Doch die Überlebenstrategien von Säugern oder Insekten sind deutlich vielfältiger. Mit Fett und Luft zur Wärmeisolation trotzen viele Säuger den eisigen Temperaturen, einige verkleinern ihre Organe. Insekten produzieren sogar Frostschutzmittel in ihrem Körper oder bauen ihn gar komplett um – sie werden, ähnlich dem gleichnamigen Hollywood-Actionfilm, zu „Transformers“.

Speck und Ruhe schützen vor der Kälte
„Fellträger wie Rot- und Rehwild, Wildschweine, Fuchs oder Hase nutzen Luft als Kälteschutzmittel und bekommen ein besonders langes, dichtes und gewelltes Haar“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Dicke Wollhaare wirken zusätzlich wie wärmende Unterwäsche unter den Deckhaaren. Eine dicke Speckschicht dient außerdem als Energiereserve. Heimische, in Deutschland überwinternde Standvögel fetten mit dem Schnabel ihr Federkleid mit Drüsensekret ein, machen es dadurch wasserabweisend und schützen den Körper so vor dem Auskühlen. Waldameisen trotzen dagegen baulich der Kälte: Sie versammeln sich am tiefsten Punkt des unterirdischen Ameisenbaus. Der oberirdische Teil des Nestes dient dagegen nur dem Frostschutz. Honigbienen bilden in den Nestern Wintertrauben, in der sich die Tiere gegenseitig wärmen.

Faszinierende Überlebensstrategien bei Insekten

Der Zitronenfalter, einer der häufigsten heimischen Schmetterlinge, hängt gegen die eisige Winterkälte ungeschützt an Ästen. Dass er nicht erfriert liegt daran, dass er zu Beginn des Winters einen großen Teil seiner Körperflüssigkeit ausscheidet und gegen eingelagertes Glyzerin ersetzt. Glyzerin ist ein Frostschutzmittel, wie es auch im Wasserkühler des Autos Verwendung findet, damit dieser nicht einfriert. Damit überlebt der Zitronenfalter Temperaturen bis -20 Grad. Wildbienen nutzen die Metamorphose, die schnelle körperliche Verwandlung, als winterliche Überlebensstrategie. Zu Beginn des Winters verwandeln sich die fressaktiven Larven zu unbeweglichen Puppen und trotzen so den eisigen Temperaturen. Im Frühjahr schlüpft aus der Puppe eine ausgewachsene Biene, die einen ganz anderen Körper wie auch Organe besitzt als die Larve oder die Puppe. Derartige, in der Natur 100.000-fach ablaufende Vorgänge, erinnern an „Transformers“, einem gleichnamigen Hollywood-Actionfilm.

Warum Enten immer kalte Füße haben

Mancher Naturfreund hat sich schon gewundert, warum Enten oft stundenlang auf Eisschichten stehen ohne kalte Füße zu bekommen. „Enten haben als winterliche Überlebensstrategie immer kalte Füße“, so Volker Gebhardt. Denn mit warmen Füssen würden Enten die Eisschicht, auf der sie stehen, zuerst antauen und dann im Schmelzwasser festfrieren. Durch Entenfüße strömt extrem wenig Blut und das wird von 40 ° C Körpertemperatur auf knapp 6 ° C heruntergekühlt. „Kalte Füße zu bekommen“ ist also zumindest unter Enten eine überlebenswichtige Eigenschaft.

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