Schnellerfassung von Sturmschäden mit Daten aus dem All

30. Januar 2017

Aus 800 Kilometern Höhe fotografiert: Die Forstexperten ergänzen die neueste Generation von Satellitenbildern mit wichtigen Details zur Lage, Größe und zum Ausmaß von Sturmschäden. Foto: RapidEye © 2016 Planet Labs

Experten des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha (FFK), eine Stabsorganisation der ThüringenForst-AöR, haben mit Fernerkundungsdaten des europäischen Copernicus-Programms ein Verfahren erprobt, das Sturmflächen ab der Größe eines Handballfeldes innerhalb weniger Tage entdeckt und erkundet. Dabei wird die neueste Generation von Wächtersatelliten, sog. Sentinels, eingesetzt. Bisher waren die Bilder der hochauflösenden Satellitendaten erst nach mehreren Wochen verfügbar.

Wächtersatelliten dienen der Fernerkundung im Freistaat
„Diese neuen Wächtersatelliten bieten bei wolkenfreiem Himmel alle fünf Tage, ab 2020 alle drei Tage, hochauflösende Satellitenbilder von Thüringens Wäldern“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Die Gothaer Forscher entwickelten mit Hilfe der Sentineldaten am Beispiel eines am 4. September 2016 aufgetretenen Tornados in den Thüringer Forstämtern Finsterbergen und Neustadt/Orla eine Methode, um die dabei aufgetretenen Schäden in den Wäldern der Region innerhalb weniger Tage zu erfassen und auszuwerten. Dabei wurden neben den optischen Daten der Sentinels auch Informationen aus dem 2008 gestarteten Erdbeobachtungssystem RapidEye verwendet. Kartografisch sind die Sturmschadensflächen im Vergleich der optischen Informationen beider Verfahren vor und nach dem Sturmereignis gut zu erkennen. Diese Ergebnisse wurden durch die Forscher mit modernsten Methoden der Bildverarbeitung klassifiziert und bewertet. Kritisch bleibt eine Wolkenbedeckung beim Überflug nach dem Sturmereignis. „Mit tagesaktuellen Daten der künftigen Sentinelgeneration wird auch dieses Problem deutlich verringert“, ist sich Sergej Chmara, Leiter des Referates Digitale Informationssysteme im FFK, sicher.

Förderprojekt des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur
Diese neue Erfassungsmethode von Sturmschäden wurde im Rahmen des Forschungsprojektes „Sentinels für Thüringer Informationssysteme“ (SenThIS) durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

Forstkalamitäten sollen künftig schneller bewältigt werden
Die schnelle Erfassung der Lage und Größe von Sturmflächen und die Einschätzung des qualitativen Ausmaßes, getrennt nach Bruch- und Wurfholzmengen, ist speziell nach großen witterungsbedingten Kalamitäten von größter Bedeutung für die betroffenen Waldbesitzer. Zügig erstellte Daten erlauben es, die Schadensbewältigung gezielter, geordneter und vor allem zügiger zu organisieren. Eine schnelle Feststellung der Schadholzmenge nach Qualität und Quantität ist auch für die Lagerung und Weiterverarbeitung des von Borkenkäferbefall bedrohten Sturmholzes entscheidend wichtig. Revierförster können hingegen mittels PKW, bedingt durch die stetig flächenvergrößerten Reviere und den oft genug durch Sturmholz blockierten Forstwegen, allenfalls erste Schätzungen über den Umfang einer Sturmkatastrophe leisten, was erfahrungsgemäß dauert – wenn überhaupt alle Flächen gefunden werden.

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