Heu, Rüben und Kastanien für das heimische Rotwild

25. Januar 2017

Foto: Dr. Horst Sproßmann

Dauerfrost und die zwischenzeitlich großen Schneemengen in den Kammlagen des Thüringer Waldes, des Schiefergebirges wie auch des Harzes bringen das dort lebende Rotwild in Not. Wenn das natürliche Nahrungsangebot witterungsbedingt zur Neige geht, dann helfen Förster und Jäger aus und füttern das Wild. Aber nicht nur die Witterung, auch manche Wintersportler verschärfen die Notzeit für die größte heimische Hirschart. Förster und Jäger mahnen deshalb ein wildtierfreundliches Natur- und Sporterlebnis an.

Störungen gefährden das Überleben von Wildtieren im Winter
„Wildtiere der Hoch- und Kammlagen des Thüringer Waldes, des Schiefergebirges wie auch des Harzes sind im Winter durch die Kälte und das karge natürliche Nahrungsangebot gezwungen, ihre Energie sparsam einzusetzen“ so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Rotwild etwa verkleinert in den Wintermonaten den Pansen, nimmt fast 60 % weniger Nahrung auf, fährt den Stoffwechsel auf „Sparflamme“ und verharrt oft bewegungslos auf der Stelle. Wird es jetzt gestört und in die Flucht geschlagen, ist das Überleben gefährdet. Im schlimmsten Fall droht den Wildtieren gar der Erschöpfungstod. Häufige Störungsursachen sind zum einen Skilangläufer abseits der offiziellen Loipen, Waldbesucher mit einem nicht angeleinten Hund oder auch Waldbesuchergruppen, die durch lautes Rufen und Schreien die Waldlebensgemeinschaft unnötig stressen.

Wildfütterungen sollten nicht betreten werden
Der Gesetzgeber definierte deshalb zum Schutz des Wildes in den Höhenlagen der Mittelgebirge die Notzeit zwischen 16. Januar und 30. April jeden Jahres. ThüringenForst trägt dem Wildschutz in dieser Notzeit durch eine Jagdruhe Rechnung. Gefüttert wird in diesem Zeitfenster durch die Förster ausschließlich mit Heu, das durch wenige Rüben oder Kastanien ergänzt wird. „Keinesfalls sollten Winterfütterungen durch Waldbesucher betreten werden, womöglich auch noch mit Hund. Ebenso ist das Mitbringen und Verteilen von Essenresten als „Fütterung“ jagdgesetzlich nicht nur verboten, sondern für die Wildtiere bei Verzehr oft genug der Tod“, so Gebhardt weiter. Er empfiehlt Waldbesuchern, Wildfütterungen weiträumig zu umgehen. Respektvoll reagiert der, der Wildtiere ausschließlich aus der Distanz beobachtet. Ist ein Ausweichen nicht möglich, sollte den Wildtieren genügend Zeit gelassen werden, sich in Ruhe zu entfernen.

Gestresste Wildtiere reagieren mit dem Verbiss junger Bäume
Reh- und Rotwild, das im Winter unter Energiemangel leidet, z. B. nach wiederholter Flucht, kompensiert diese Verluste, indem es die Triebe junger bzw. die Rinde älterer Bäume frisst. Damit ist eine Schädigung der Forstpflanze verbunden, die mit Zuwachsverlusten, schlimmstenfalls mit Absterben reagiert. Wildtierfreundliches Verhalten schützt deshalb auch und gerade den Wald.

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